Theologin und Aktivistin Leni Altwegg ist tot

Leni Altwegg engagierte sich über dreissig Jahre in der Schweizer Anti-Apartheid-Bewegung. Nun ist die reformierte Pfarrerin im Alter von 95 Jahren in Zürich gestorben.


Zur Theologie kam Leni Altwegg erst auf dem zweiten Bildungsweg. 1965 war sie eine der ersten Frauen in der Schweiz, die direkt ab Studium ordiniert wurden. Zu ihrem Lebensthema wurde der Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Wie die Familie nun mitteilte, ist Altwegg am 6. Dezember im Alter von 95 Jahren in Zürich gestorben.

Altwegg wurde 1924 in Zürich geboren und machte zunächst eine Lehre als medizinische Laborantin, bevor sie die Matura nachholte und evangelische Theologie studierte. Über zwanzig Jahre war sie Pfarrerin in den Zürcherischen Gemeinden Schlieren und Adliswil. Neben ihrem Pfarramt betreute Altwegg bis zu seinem Tod ihren behinderten Bruder.

Reiseverbot und Fiche

Seit den frühen siebziger Jahren engagierte sie sich in der schweizerischen Anti-Apartheid-Bewegung und reiste über ein Dutzend Mal nach Südafrika. In der Schweiz beherbergte Altwegg südafrikanische Anti-Apartheid-Kämpferinnen und Stipendiaten. Zeitweise wurde ihr wegen ihres politischen Engagements ein Reiseverbot auferlegt und die Schweizer Bundespolizei legte eine Fiche über sie an. Altwegg war ausserdem bei den Evangelischen Frauen Schweiz und den Frauen für den Frieden Schweiz aktiv.

Ihre letzten Jahre verbrachte Altwegg in einem Seniorenheimheim in Zürich, wo sie sich unter anderem mit den Themen Alter und Alterssuizid auseinandersetzte. In einem Interview mit der Zeitschrift Neue Wege bekannte sie, Mitglied einer Sterbeorganisation zu sein. Dies sei auch der Weg gewesen, den Leni Altwegg am Ende ihres Lebens gewählt habe, schreibt die Familie in der Todesanzeige. (no)