Theologin Hanni Lindt-Loosli ist tot

Sie kämpfte ihr Leben lang für die Gleichstellung und schaffte es als erste Frau in den Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Nun ist Hanni Lindt-Loosli im Alter von 93 Jahren gestorben.


Als Mitglied der Synode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn trug Hanni Lindt-Loosli massgeblich dazu bei, dass Frauen ab 1965 für Pfarrstellen wählbar wurden. 1977 wurde sie zudem als erste Frau in den Berner Synodalrat gewählt. Wie die Familie gegenüber ref.ch bestätigte, ist die Pionierin der Gleichstellung am 27. Oktober im Alter von 93 Jahren in Biel gestorben.

Lindt-Loosli wurde 1926 in Biel geboren und studierte in Bern, Basel und Zürich evangelische Theologie. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Pfarrhelferin, da ihr eine Anstellung als Pfarrerin aufgrund des Kirchengesetzes verwehrt war. Nach der Heirat mit dem Arzt Martin Lindt widmete sie sich der Erziehung der sieben Kinder, übernahm Predigtvertretungen und engagierte sich in der kirchlichen Frauenarbeit. Seit 1958 sass sie in der Synode der Berner Kirche.

Weg frei für die Kanzel

In einer Motion von 1961 forderte Lindt-Loosli, dass Frauen ins Pfarramt gewählt werden durften. Kurz darauf wurde die Verfassung der reformierten Kirche in einer kirchlichen Volksabstimmung entsprechend geändert. Am 28. Februar 1965 stimmten die ausschliesslich männlichen Stimmberechtigten dann auch der Revision des kantonalen Kirchengesetzes zu. Noch im gleichen Jahr wurde die erste Pfarrerin im Kanton Bern ins Amt berufen.

Erst 1979 wurde Lindt-Loosli der üblicherweise mit der Ordination verliehene Titel «Verbi Divini Minister» zugesprochen. In ihrem im Jahr 2000 erschienenen Buch Von der Hülfsarbeiterin zur Pfarrerin schilderte Lindt-Loosli den steinigen Weg der Berner Theologinnen zwischen 1917 und 1965. Darin stellte sie chronologisch die einzelnen Schritte von der Zulassung von Frauen zum Theologiestudium bis zur beruflichen Gleichstellung dar. (no)