Sozialethiker Hans Ruh ist tot
Hans Ruh leitete von 1971 bis 1983 das «Institut für Sozialethik» des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (heute Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) und arbeitete viele Jahre als Professor an den Universitäten Bern und Zürich. Als Wissenschaftler widmete er sich insbesondere Fragen der Wirtschafts- und Umweltethik. Wie aus der Todesanzeige der Familie hervorgeht, ist Hans Ruh am 27. September nach längerer Krankheit gestorben.
«Das Perfekt ‹Ich habe mich eingemischt› ist nun endgültig», schrieb der Zürcher Theologe Konrad Schmid, in Anspielung auf die 2017 erschienene gleichnamige Autobiographie des Sozialethikers, auf Facebook. Mit Hans Ruh sei ein Visionär gegangen, der mit seinen innovativen Ideen ein breites Publikum erreicht habe.
Ruh wurde 1933 in Altdorf im Kanton Schaffhausen geboren. Er studierte evangelische Theologie in Zürich, Bonn und Basel und war der letzte Doktorand von Karl Barth. Nach seiner Promotion arbeitete er für die Gossner-Mission in Ost-Berlin, bevor er theologischer Mitarbeiter und später Leiter des «Instituts für Sozialethik» des Kirchenbundes wurde.
Kämpfer für soziale Gerechtigkeit
Ausser seiner Lehrtätigkeit setzte sich Ruh unermüdlich für soziale Gerechtigkeit ein. So organisierte er 1970 die interkonfessionelle Konferenz «Schweiz – Dritte Welt» und war Gründungsmitglied der «Erklärung von Bern» (heute «Public Eye»).
Hans Ruh habilitierte an der Universität Bern und wurde 1983 zum ordentlichen Professor an die Universität Zürich berufen. Bis 1998 wirkte er als Direktor des Zürcher «Instituts für Sozialethik». Er verfasste zahlreiche Publikationen zu politischen, ethischen und ökologischen Fragen. Zuletzt erschien in diesem Jahr das Buch «Anleitung zur Menschlichkeit», in dem Ruh die Erkenntnisse aus seinem lebenslangen Nachdenken noch einmal bündelte.
Hans Ruh hinterlässt seine Lebenspartnerin sowie zwei Söhne. Die Abdankungsfeier findet am 8. Oktober um 14 Uhr im Grossmünster in Zürich statt. (no)