Synode Refbejuso

Verteilung der Pfarrstellen löst emotionale Debatte aus

Der Bericht zur Pfarrstellenzuordnung hat an der Sommersynode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn für Furore gesorgt. Kleinere Kirchgemeinden befürchten einen Stellenabbau. Beschlossen ist aber noch nichts.

Zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie fand die Synode von Refbejuso wieder im Berner Rathaus statt. (Bild: Mauro Mellone/ zVg)

Die Sommersynode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) ist zunächst ruhig und harmonisch verlaufen. Ersatzwahlen ohne Gegenkandidaturen, fast einstimmige Beschlüsse der rund 170 anwesenden Synodalen, Kaffee und Gipfeli in der Eingangshalle des Berner Rathauses. Dann kam das Traktandum Pfarrstellenzuordnung an die Reihe. Dabei geht es um die Verteilung der Ressourcen, die weniger werden – und damit um existenzielle Fragen.

Der Synodalrat arbeitet zurzeit an einer neuen Pfarrstellenzuordnungs-Verordnung (PZV). Sie regelt, wie viele Stellenprozente einer Kirchgemeinde zustehen. Im Februar endete eine Vernehmlassung. «Die Reaktionen haben gezeigt, wie leidenschaftlich das Thema in unserer Kirche diskutiert wird», sagte Synodepräsidentin Sophie Kauz, als sie das Traktandum eröffnete.

«Ein Abbau kann für kleine Kirchgemeinden zur Überlebensfrage werden.»
Ursula Zehnder, Synodale und Mitglied der Positiven Fraktion

Eigentlich ging es an der Sommersynode nur um einen vorläufigen Bericht zu diesem Geschäft – denn die Antworten auf die Vernehmlassungen werden noch bis im Herbst ausgewertet. Trotzdem bestand schon jetzt Gesprächsbedarf.

Synodalrat Iwan Schulthess präsentierte der Synode die Vorlage. «Seit längerem ist ein anhaltender Mitgliederschwund zu beobachten, auch der Pfarrmangel beschäftigt uns», sagte er. Die aktuelle PZV knüpft die Anzahl der Stellenprozente vor allem an die Anzahl der Mitglieder einer Kirchgemeinde. Das heisst: Je weniger Mitglieder, desto weniger Stellenprozente. Ein Problem für alle Kirchgemeinden, wenn auch die städtischen stärker davon betroffen sind.

Der Synodalrat will die PZV nun um ein neues Kriterium ergänzen: Pro 200 Einwohnerinnen einer Gemeinde soll es ein zusätzliches Stellenprozent für eine Kirchgemeinde geben. «Das neue Kriterium hat eine stabilisierende Wirkung auf die Zahl der Pfarrstellen», sagte Schulthess.

«Für die Betreuung der Gemeindemitglieder ist das ein krasser Rückschritt.»
Rolf Schneeberger, Synodaler

Im Gegensatz zu den Mitgliederzahlen nehmen die Einwohnerzahlen zu. Ländliche Kirchgemeinden befürchten, durch diese Regelung verhältnismässig mehr zu verlieren als die urbanen Kirchgemeinden. Die Rede ist von einem Stadt-Land-Graben.

Synodale: Mitglieder könnten frustriert sein

Von den Fraktionen gab es zunächst mehrheitlich Zustimmung für die Pläne des Synodalrats – aber auch Vorbehalte. «Wir stehen hinter den Grundsätzen, aber ein Abbau kann für kleine Kirchgemeinden zur Überlebensfrage werden», sagte etwa Ursula Zehnder von der Positiven Fraktion.

Negativer fielen die Voten mancher Einzelsprecherinnen aus. Pfarrerin Karin von Zimmermann sprach von einem Kipp-Punkt. «Wir haben in Habkern viele innovative Projekte, trotzdem müssen wir damit rechnen, dass wir Stellenprozente verlieren.» Das führe bei den engagierten Mitgliedern zu Frust, Projekte könnten gestrichen werden. Durch die Debatte sei sehr viel Vertrauen verloren gegangen.

«Für alle da zu sein, heisst nicht, alle zu vertreten.»
Iwan Schulthess, Synodalrat Refbejuso

Ihrem Votum schloss sich Rolf Schneeberger an. Er bemängelte darüber hinaus, dass es künftig mehr Mitglieder braucht, um ein Stellenprozent zu erhalten. «Für die Betreuung der Gemeindemitglieder ist das ein krasser Rückschritt», sagte er. Schon als Pfarrer habe er darunter gelitten, nicht genügend Zeit für die Seelsorge zu haben. «Wir können das so nicht akzeptieren», sagte er. Auch andere Synodale äusserten ihren Unmut.

Synodalrat Iwan Schulthess versuchte daraufhin, die Wogen zu glätten. Bei keiner Kirchgemeinde würden mit dieser Regelung mehr als zwanzig Stellenprozente verloren gehen. Ziel sei es, die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen. Ausserdem handle es sich gar nicht wirklich um ein Sparprogramm, da sich an der Zahl der Pfarrstellen wenig ändere. Gemäss aktuellen Stand wären es 271 Stellen für die 217 Kirchgemeinden.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Auf der Suche nach Geld

Um die finanzielle Zukunft der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hat sich ein weiteres Traktandum gedreht. Der Synodalrat will das Fundraising professionalisieren, um eine «ergänzende Finanzierungsquelle» für kirchliche Projekte zu erschliessen. Er hat dafür für die nächsten fünf Jahre einen Kredit in der Höhe von 400’000 Franken beantragt.

Die Synodalen kritisierten, dass dafür zu wenig auf das bereits existierende Know-How in den Kirchgemeinden zurückgegriffen werde. Die Liberale Fraktion sah in einem professionellen Fundraising gar eine Gefahr für die Kirchensteuer und forderte die Ablehnung des Antrags. Zwar scheiterte sie damit. Eine Mehrheit der Synodalen wies den Antrag aber zur Überarbeitung zurück.

Ein neuer Kredit für Klimaschutzprojekte in der Höhe von 300’000 Franken fand hingegen eine klare Mehrheit. Die Synodalen zeigten sich damit einverstanden, das Geld in Zukunft vermehrt in indirekte Klimaschutzmassnahmen statt in bauliche Projekte zu investieren (ref.ch berichtete).

Obwohl sich Refbejuso Sorgen um die finanzielle Situation in der Zukunft macht, schliesst sie das Jahr 2022 mit einem Ertragsüberschuss von knapp 4,6 Millionen Franken ab. Die Synodalen zeigten sich damit einverstanden, zwei Millionen Franken davon in den Entwicklungs- und Entlastungsfonds zu überweisen und die restlichen rund 2,6 Millionen Franken dem Bilanzüberschuss zuzuweisen.

Die vorgesehene Anpassung der PZV hat allerdings noch andere Gründe. Im Kanton Bern werden die Löhne der Pfarrpersonen nicht über die Kirchensteuern finanziert, sondern von der öffentlichen Hand bezahlt.

Jährlich überweist der Kanton Bern der Evangelisch-reformierten Landeskirche rund 60 Millionen Franken. Einen Teil davon gibt es für die Leistungen, welche die Kirche für die gesamte Gesellschaft erbringt – wie hoch dieser Teil ausfällt, ist Verhandlungssache. Alle sechs Jahre sitzen die Landeskirchen und der Kanton dafür an einen Tisch, um die Höhe festzulegen. Nächstes Jahr ist es wieder soweit. Zuerst befasst sich der Berner Regierungsrat damit, 2025 muss der Grosse Rat entscheiden.

Mit dem neuen Kriterium «Einwohnerzahl» will der Synodalrat bei den weltlichen Behörden punkten. Er signalisiert damit, dass die Kirche ihre Ressource zugunsten der gesamten Gesellschaft einteilt. «Für alle da zu sein, heisst nicht, alle zu vertreten», sagte Schulthess. Er rechne damit, dass der Kanton Bern der Reformierten Kirche denselben Betrag auszahle wie bisher.

Nach der Debatte zeigte sich in der Abstimmung, dass es sich bei den Kritikern der PZV um eine laute Minderheit handelte. 142 Synodale stimmten dafür, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen, 12 waren dagegen und 16 enthielten sich. Über die definitive Vorlage wird Ende 2023 oder 2024 entschieden.