Mehr Geld für Freiwillige statt für Solarpanels
Seit zwei Jahren bedecken nicht mehr rote Ziegel das Dach des Kirchgemeindehauses Spiez, sondern blaue Solarpanels. Spricht Kirchgemeinderat Alfred Buess über die Fotovoltaikanlage, kommt er ins Schwärmen. «Die Leistung ist ausgezeichnet.» Mit einer Grösse von rund drei Tennisfeldern produziert sie zehnmal mehr Strom, als das Gebäude selber verbraucht. Für die überschüssige Energie erhält die Kirchgemeinde Geld.
Billig war die Anlage nicht. Die Kirchgemeinde hat über 230'000 Franken dafür ausgegeben. Unterstützung erhielt sie von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso). Vor vier Jahren hatte die Synode von Refbejuso entschieden, Klimaschutzprojekte ihrer Kirchgemeinden mit einer halben Million Franken zu subventionieren. Die Nachfrage war gross, das Geld schnell weg. Die Kirchgemeinde Spiez etwa hat 50'000 Franken für ihr Projekt erhalten.
An der Sommersynode von dieser Woche soll es deshalb eine Neuauflage des Kredits geben. Geht es nach dem Synodalrat, sollen Projekte wie die Solaranlage in Spiez künftig allerdings nicht mehr unterstützt werden. «Wir haben festgestellt, dass die baulichen Massnahmen sehr viele Mittel verschlingen», sagt Markus Dütschler, Kommunikationsverantwortlicher von Refbejuso.
In Zukunft will der Synodalrat stattdessen vermehrt indirekte Klimaschutzmassnahmen subventionieren. Gemeint sind damit etwa Energieberatungen, Weiterbildungen oder Klimaschutzaktionen von Jugendlichen. Vorgesehen ist zudem eine Teilzeitstelle «Fachbeauftragung Klimaschutz». Sie soll eine Koordinations- und Anlaufstelle für Freiwillige sein.
Zuerst der Kanton, dann die Kirche
Der Synodalrat begründet seinen Kurswechsel mit dem Subsidiaritätsprinzip. «Die Mittel der Kirche sind knapp», sagt Dütschler. Es würde dem Subsidiaritätsprinzip widersprechen, Projekte zu unterstützen, die auch von den Kantonen subventioniert werden. Dütschler geht davon aus, dass die Kantone weniger Gelder zur Verfügung stellen, wenn die Kirchgemeinden Hilfe von der Landeskirche erhalten.
Laut Alfred Buess hatte die Unterstützung von Refbejuso keinen Einfluss auf die Höhe der öffentlichen Fördergelder. Die Kirchgemeinde Spiez hat vom Kanton 67'000 Franken erhalten – allerdings für den Gebäudeenergieausweis, den es im Rahmen der gesamten Sanierung erstellen liess. Solaranlagen werden vom Kanton nicht direkt subventioniert.
«Jeder Beitrag war wertvoll», sagt Buess. Auch wenn die Kirchgemeinde Spiez das Projekt wahrscheinlich ohne Hilfe von Refbejuso umgesetzt hätte, sei die finanzielle Unterstützung an der Kirchgemeindeversammlung ein wichtiges Argument gewesen.
Bauliche Massnahmen benötigen zuerst Planung
Mit dem ersten Kredit wurden rund 50 Projekte unterstützt. Von der halben Million Franken flossen 400’000 Franken in direkte Klimaschutzmassnahmen. Insgesamt 13 Heizungen wurden ersetzt oder optimiert, neun Isolationsmassnahmen umgesetzt und vier Fotovoltaikanlagen installiert. 100’000 Franken wurden in indirekte Massnahmen investiert. Dazu gehörten zwölf Gebäudeanalysen, sechs Einführungen des Umweltmanagementsystems Grüner Güggel und drei Aktionen mit Kindern und Jugendlichen.
Der neue Kredit für Klimaschutzmassnahmen ist mit 300’000 Franken tiefer als der erste. Laut Markus Dütschler ist er im Unterschied zum ersten Kredit dafür zeitlich unbegrenzt. «Wenn er rascher als erwartet ausgeschöpft sein sollte, kann die Synode weitere Mittel sprechen.» Zudem schliesst der Kredit die Unterstützung baulicher Massnahmen nicht komplett aus. «Finanzschwache Kirchgemeinden erhalten weiterhin Beiträge für bauliche Massnahmen», steht im Bericht des Synodalrats. Ein weiterer Grund dafür sind kantonale Unterschiede. Während Bern relativ grosszügig ist, kennt der Kanton Jura nach wie vor kein Förderprogramm für bauliche Klimaschutz-Massnahmen. (pef)
Überraschend kommt die Änderung des Fokus auf indirekte Massnahmen auch deshalb, weil der Synodalrat in seinem eigenen Bericht schreibt, dass der Ersatz fossiler Heizungen die wirksamste Methode für den Klimaschutz sei. Dütschler sieht in der Neuausrichtung dennoch keinen Rückschritt. «Ein Gebäudeenergieausweis oder ein Umweltmanagementsystem ermöglichen es, Energie in bestehenden Gebäuden zu sparen und liefern Grundlagen für bauliche Entscheidungen in der Zukunft», sagt er.
Das sieht auch Kirchgemeinderat Alfred Buess so. Allerdings verweist er darauf, dass indirekte Massnahmen nicht immer sichtbar seien. «Eine Solaranlage hat auch eine Publicity-Wirkung», sagt er. Davon zeugten die zahlreichen positiven Kommentare, die sie für ihre Fotovoltaikanlage erhalten hätten. Deshalb überlege sich der Kirchgemeinderat sogar, einen Informationsbildschirm für die Passantinnen zu installieren. Er soll zeigen, wie viel Strom erzeugt und wie viel CO₂ gespart wird – ganz konkret.