So feierten reformierte Kirchen nach den Corona-Lockerungen

An Pfingsten konnten unter Einhaltung strenger Schutzmassnahmen in reformierten Kirchgemeinden wieder Gottesdienste mit Besuchern stattfinden. Viele nahmen diese Möglichkeit wahr. Andere warten aber noch weiter zu.

Damit die Hygiene eingehalten wird, werden die Bänke in vielen Kirchen regelmässig desinfiziert. (Bild: Keystone)

Nach mehr als zwei Monaten durften am vergangenen Wochenende zum ersten Mal wieder Gottesdienste mit Besuchern stattfinden. Bedingung war allerdings, dass die vom Bund vorgegebenen Schutzkonzepte wie Abstand halten und Handhygiene eingehalten werden. Zahlreiche reformierte Kirchgemeinden nahmen an Pfingsten die Gelegenheit war, ihre Mitglieder wieder zu empfangen.

So fand zum Beispiel im Zürcher Grossmünster am Pfingstsonntag ein Gottesdienst statt. Von möglichen 120 Plätzen waren laut Pfarrer Martin Rüsch gut 80 besetzt. «Man merkte den Leuten an, dass sie mit Vorfreude in den Gottesdienst kamen», sagt Rüsch. «Es war aber auch eine gewisse Irritation zu spüren, dass die Menschen zum Schutz so weit auseinander sitzen mussten.»

Trotzdem ist Rüsch froh, dass er wieder vor Menschen hat predigen dürfen. «Sie haben definitiv in der Kirche gefehlt. Es ist einfach nicht das gleiche, nur vor einer Kamera zu sprechen.» Nach dem Gottesdienst habe man draussen jedem Besucher ein Brot mit auf den Weg gegeben. «Es war eine Art Abendmahl-Ersatz, das in der Kirche ja verboten war.» Ausserdem habe auf dem Vorplatz Musik gespielt. «Es herrschte eine fröhliche Stimmung.»

Nun ist Rüsch gespannt, wie sich die Situation weiterentwickelt. «Wir alle müssen uns in dieser speziellen Situation zurechtfinden. Das hat bei allem Abstand wenigstens etwas Verbindendes.»

Klarinettist statt Gesang

Auch in der reformierten Kirchgemeinde Rein im Kanton Aargau wurde mit Publikum gefeiert. «Die Leute waren sehr diszipliniert», sagt Pfarrer Matthijs van Zwieten de Blom. Normalerweise hätte die Kirche Platz für 250 Personen. Weil die Besucher aufgrund der Corona-Bestimmungen aber zwei Meter Abstand zueinander haben mussten, durften nur 40 am Gottesdienst teilnehmen.

«Das hat auch gut funktioniert», sagt van Zwieten. So sei nur jede zweite Bank mit maximal vier Personen besetzt gewesen, beim Rausgehen habe man geduldig gewartet, Gespräche fanden draussen mit genügend Abstand statt. «Wir haben natürlich auch auf das Singen verzichtet. Stattdessen hat ein Klarinettist gespielt.» Deshalb sei die Stimmung zwar nicht dieselbe wie in einem normalen Gottesdienst gewesen, aber auch nicht so trist, wie er sich das vorgestellt habe.

Van Zwieten selbst stand während des Gottesdienstes hinter der Videokamera. Denn man wolle auch weiterhin die Feiern im Netz zur Verfügung stellen. «Viele getrauen sich noch nicht, am Gottesdienst vor Ort teilzunehmen. Wir wollen ihnen deshalb weiterhin die Möglichkeit geben, daheim zu feiern.»

Nicht alle öffnen für Besucher

Doch nicht alle Kirchgemeinden haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, wieder ihre Mitglieder einzuladen. Auf einen Gottesdienst mit Anwesenden im Monat Juni noch verzichten will die reformierte Kirchgemeinde Muri-Gümligen im Kanton Bern. Dies aus zwei Gründen, wie Pfarrerin Ella de Groot ausführt. Zum einen sei das Programm der Gottesdienste schon vor den Lockerungsankündigungen fix ausgeschrieben gewesen. Zum anderen haben man mit der Gemeindeleitung entschieden, dass man noch zuwarten möchte. «Zu uns kommen viele über 65-Jährige. Wir möchten diese Menschen nicht einem erhöhten Risiko aussetzen», sagt de Groot.

Zudem hätten in ihrer Kirche nur 30 Personen Platz nehmen dürfen. «Was hätten wir mit den anderen machen sollen? Mit Nummer 31 oder 32? Sie heimschicken?», fragt de Groot. Nein, mit so einer Zweiklassengesellschaft käme kein Gefühl der Gemeinschaft auf.

Deshalb gehe man zurzeit davon aus, falls sich die Corona-Lage weiter beruhigt und die Rahmenbedingungen noch weiter gelockert werden, dass ab Juli wieder Gottesdienste bei ihnen stattfinden. Bis dahin werden die Gottesdienste weiter im Internet gezeigt. «Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie werden gar von Menschen ausserhalb unserer Gemeinde geschaut», sagt de Groot. (bat)