Sexueller Missbrauch
Baselländer «Jugendpfarrer» mit Teilerfolg vor Gericht
Vor gut einem Jahr verurteilte das Strafgericht Baselland einen Mann, der in einer Kirchgemeinde als sogenannter «Jugendpfarrer» arbeitete (ref.ch berichtete), zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und einem Berufsverbot für Tätigkeiten mit Jugendlichen für eine Dauer von fünf Jahren.
Die Staatsanwaltschaft hatte ihm mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache sexuelle Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt und mehrfache Anstiftung zu Pornografie vorgeworfen. Der Beschuldigte zog das Urteil an die nächste Instanz weiter.
Das Kantonsgericht ist jetzt nach einer Verhandlung von zweieinhalb Tagen zu einer milderen Strafe gekommen. Es reduziert die bedingte Freiheitsstrafe auf neun Monate, das Berufsverbot bleibt bestehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Als Begründung dafür hat der Richter genannt, dass ein Teil der Taten verjährt sei und ein Mangel an Beweisen bestehe, schreibt die «Basler Zeitung». Die Übergriffe, die zwei Betroffene zur Anzeige brachten, hatten sich zwischen 2013 und 2015 ereignet. Für das Gericht unbestritten ist jedoch, was damals geschah.
Der als «Jugendpfarrer» in der Gemeinde Tätige hatte ein Sorgentelefon für Jugendliche ins Leben gerufen. Die beiden Betroffenen, damals Konfirmandinnen im Alter von 15 und 16 Jahren, betreuten das Angebot und bekamen dafür einen Lohn.
Die Anfragen per SMS, welche die Konfirmandinnen erreichten, stammten jedoch nicht von Jugendlichen, sondern vom sogenannten «Jugendpfarrer». Er gab sich als verschiedene Jugendliche aus, verwickelte die Mädchen in Gespräche über Sexualität und bat um Nacktbilder von ihnen (ref.ch berichtete). Das Kantonsgericht bezeichnete das Vorgehen des Mannes als «verwerflich».
Seit die Taten des Mannes 2024 bekannt wurden, ist er krank geschrieben. Laut der «Basler Zeitung» bezieht er heute eine volle IV-Rente.
Bereits im vergangenen Jahr zog die Angelegenheit weitere Kreise: Bis zum Dezember hatten sich weitere zehn Betroffene bei der Reformierten Kirche Baselland sowie der Opferhilfe gemeldet (ref.ch berichtete). Wie nun bekannt wurde, haben fünf Betroffene ebenfalls Anzeige gegen den Mann erhoben. (dst)