Sexueller Missbrauch

Kirchgemeinde arbeitet die Übergriffe auf

Ein kirchlicher Mitarbeiter in Baselland ist wegen sexueller Übergriffe verurteilt worden. In seiner Kirchgemeinde verarbeiten die Menschen die Neuigkeiten der letzten Wochen. Kirchenratspräsidentin Regine Kokontis hat mit ihnen das Gespräch gesucht.
Die neue baselländische Kirchenratspräsidentin Regine Kokontis hat den direkten Kontakt mit den Mitgliedern der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde gesucht, in welcher der sogenannte «Jugendpfarrer» arbeitete. An einer Veranstaltung wurde die Aufarbeitung des Geschehenen innerhalb der Gemeinde angestossen. (Bild: zvg)

Ein kirchlicher Mitarbeiter, der als «Jugendpfarrer» in einer Kirchgemeinde im Kanton Baselland arbeitete, hatte sich Nacktbilder von zwei seiner Konfirmandinnen erschlichen (ref.ch berichtete).

Dass der Mann verurteilt wurde, hat die Situation noch nicht beruhigt. Vor kurzem hat sich ausserdem eine weitere Frau gemeldet, die dem Mann Übergriffe vorwirft. Das berichtete das Lokalmedium «Basel jetzt». In dem Artikel heisst es, die Frau habe sich «damals wie auch heute wieder bei der Kirche gemeldet».

Kirchenratspräsidentin Regine Konkontis bestätigt auf Anfrage von ref.ch, dass sich eine weitere Person gemeldet hat. Die Frau habe sich an eine «kirchliche Ansprechperson» gewendet. Es steht im Raum, dass sich die Frau schon zu einem früheren Zeitpunkt wegen der Übergriffe gemeldet hat.

Dazu sagt Kokontis: «Ich höre darin, dass immer wieder mitgeteilt werden muss, wie und wo Grenzverletzungen gemeldet werden können und wann und wie sie weitergemeldet werden.» In den letzten Jahren habe die Gesellschaft dazugelernt, Betroffene würden besser geschützt und das Thema Übergriffe werde besser thematisiert.

Der sogenannte «Jugendpfarrer» arbeite rund zwanzig Jahre in der Kirchgemeinde. Ist davon auszugehen, dass sich noch mehr Frauen melden, die Übergriffe erlebt haben? «Ja, das ist möglich und wir ermutigen dazu, dass sich Betroffene melden», sagt Kokontis.

Die Kirchgemeinde ist auch betroffen

Die Übergriffe haben nicht nur die direkt Betroffenen verletzt; sie verunsichern auch die Mitglieder der Kirchgemeinde. Vergangene Woche fand ein Treffen in der Gemeinde statt, bei dem Kirchenratspräsidentin Regine Kokontis anwesend war. Rund 100 Menschen haben daran teilgenommen. Der sexuelle Missbrauch durch den Mitarbeiter der Kirchgemeinde stand im Zentrum des Abends. Für Fragen und Anliegen der Anwesenden waren zwanzig Minuten vorgesehen; die Kirchenpflege erklärte, in wie vielen Bereichen die Übergriffe behandelt werden.

Einer der Gemeindepfarrer und Kirchenratspräsidentin Kokontis sprachen zu den Anwesenden. «Wir anerkannten die Ambivalenz der Emotionen und Reaktionen auf das, was im letzten Monat alles zu Tage getreten war», sagt die Präsidentin. Sie hätten betont, dass die Anwesenden eine Gemeinschaft seien, auch wenn sich manche isoliert, dem Beschuldigten oder den Betroffenen näher fühlten. «Wir betonten, dass Zeit und Raum angeboten und Fachpersonen beigezogen werden, um aufzuarbeiten», sagt Kokontis.

Stimmen von Freunden und Opfern

Die Rücksicht auf die verschiedenen Positionen innerhalb der Kirchgemeinde war geboten. Die Kirchenratspräsidentin erklärt: «Der langjährige Mitarbeiter war über die Jahre sehr beliebt, hatte viel gute Arbeit geleistet. Einigen war sehr wichtig, dass auch Gutes erinnert werden durfte.»

Als «eindrücklich und bedrückend» erlebte Kokontis die Wortmeldungen von Menschen, die aktuell belastet sind: «Wir hörten Stimmen von Opfern, jungen Frauen, die in ihrer Integrität verletzt worden sind. Und von Männern, die den Mitarbeiter als Freund kannten und nun mit dem massiven Vertrauensbruch zu kämpfen haben. Auch das ist erfahrenes Leid.»

Das Thema ist nach diesem Abend noch lange nicht erledigt. «Die Anliegen und Fragen wurden notiert und werden in den kommenden Monaten weiter bearbeitet werden», sagt Kokontis.

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