Frauennetzwerk

Pfarrerinnen im Beruf halten

Zwei reformierte Zürcher Pfarrerinnen schaffen ein Frauennetzwerk. Darin soll über Schönes und Schwieriges im Pfarrerinnenleben gesprochen werden.

Welche Freuden und Sorgen haben Pfarrerinnen? Darüber will sich eine Frauengruppe austauschen. (Bild: Alessandro Della Bella/ Keystone)

«Wie schaffen wir es, die Leidenschaft für unsere Arbeit zu bewahren?» Mit dieser Frage will sich ein Netzwerk von reformierten Pfarrerinnen auseinandersetzen, das die Pfarrerinnen Sibylle Forrer (Kilchberg/ ZH) und Nadja Boeck (Kirchgemeinde Furttal/ ZH) gegründet haben. Freuden und Sorgen aus dem Pfarrerinnen-Alltag sollten geteilt werden, aber auch darüber nachgedacht werden, wie die Arbeit in der Reformierten Kirche künftig gestaltet sein könnte, sagt Sibylle Forrer auf Anfrage von ref.ch.

Der erste «Pfarrerinnen-Stammtisch» ist für Mitte Oktober geplant, die Zusammenkunft wird online stattfinden (siehe Kasten). Das Angebot sei bewusst niederschwellig, sagt Forrer. «An einem Stammtisch nimmt man spontan Platz und plaudert über das, was einen gerade umtreibt. So soll es auch bei uns sein. Wir wollen ein offenes Ohr haben füreinander, für Schönes und Schwieriges», sagt Forrer.

Drei Zoom-Zusammenkünfte geplant

Die Zoom-Termine für den reformierten «Pfarrerinnen-Stammtisch» sind geplant für den 19. Oktober, den 23. November und den 21. Dezember. Der digitale Austausch startet jeweils um 20.30 Uhr. Interessierte Pfarrerinnen melden sich bei Nadja Boeck, Pfarrerin Reformierte Kirche Furttal oder Sibylle Forrer, Pfarrerin Reformierte Kirche Kilchberg. (jow)

Rollenbilder unter die Lupe nehmen

Der Stammtisch sei kein exklusiver Klub, sondern eine unverbindliche Zusammenkunft über die Altersgrenzen hinweg zwischen Berufseinsteigerinnen und erfahrenen Kolleginnen. «In den Sozialen Netzwerken gibt es zu gewissen Themen einen Austausch, der jedoch immer eine gewisse Öffentlichkeit hat. Der Stammtisch soll einen persönlichen, geschützten Rahmen bieten», erläutert Forrer.

Es gehe auch darum, einander zu unterstützen und zu stärken. «Pfarrerinnen sind in gewisser Hinsicht auch Einzelkämpferinnen. Der Austausch mit Berufskolleginnen, die über dieselben Fragen nachdenken, ist deshalb besonders wertvoll.» Das Frauennetzwerk will sich auch mit Rollenbildern befassen und zum Beispiel prüfen, wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch besser gelingen kann.

Forrer und Boeck zeigen sich erstaunt und überwältigt über das grosse Echo, das ihr Aufruf ausgelöst hat. Das Bedürfnis für einen Austausch sei auf jeden Fall vorhanden. Bisher hätte sich acht Frauen angemeldet, sagt Nadja Boeck. «Das viele Wissen, das wir Pfarrerinnen haben, soll geteilt werden. Und wir wollen vermeiden, dass Frust Überhand nimmt».

Etablierung erwünscht

An einem «Stammtisch» dabei sein will auch die Ostschweizer Pfarrerin Kathrin Bolt. Sie ist seit dem 1. September 2022 Pfarrerin an der evangelisch-reformierten Kirche St. Laurenzen in der Stadt St. Gallen. «Die Idee gefällt mir extrem gut, weil es unglaublich tolle Pfarrerinnen gibt, mit denen ich den Kontakt nicht regelmässig halten kann, aber gern im Austausch bin», sagt Bolt.

Das Pfarr-Berufsbild befinde sich in einem Wandel, der besonders Frauen betreffe. Als Pfarrerin von St. Laurenzen komme ihr sehr viel Freude und Wohlwollen entgegen, weil sie eine Frau sei. Zugleich erlebe sie als Frau erste kleine Diskriminierungen, und müsse etwa für ihr Teilzeitpensum kämpfen. «Solche Erfahrungen möchte ich gern mit anderen teilen, und ich freue mich, wenn ich mit anderen Pfarrerinnen über neue Wege unserer Kirche nachdenken kann», sagt Bolt.

Sibylle Forrer und Nadja Boeck sagen, sie seien beide gespannt, was aus ihrer Initiative entstehe. «Schön wäre es auf jeden Fall, wenn sich der Stammtisch etabliert», meint Boeck.