Jahresausblick
Diese reformierten Themen geben zu reden
Das neue Jahr hat begonnen. In den reformierten Kirchgemeinden oder an den Synoden, in den Gottesdiensten oder bei anderen Zusammenkünften könnten folgende Themen für Gesprächsstoff sorgen.
Komponisten-Jubiläum
Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter: Paul Gerhardt. Geboren am 22. März 1607 als zweites von vier Kindern in eine Gastwirtsfamilie, studierte er Theologie an der Universität Wittenberg. Bereits im Studium prägten ihn Frömmigkeit und Dichtkunst. Gerhardt lebte in Berlin und zuletzt in Lübben im Spreewald, wo er am 27. Mai starb. Nun jährt sich sein Todestag zum 350. Mal.
Nachwuchs-Plan
Spätestens bis im Juni entscheidet sich, ob ein Notfallplan gegen den Pfarrmangel in Kraft treten kann. In einer ersten Lesung hat die Konkordatskonferenz der Deutschschweizer Reformierten Kirchen den «Plan P» bereits beraten und einstimmig genehmigt. Der «Plan P» sieht vor, dass Akademikerinnen und Akademiker ab 55 Jahren eine Kurzausbildung absolvieren und anschliessend eine Pfarrstelle übernehmen können. Dies jedoch für maximal zehn Jahre und ohne die Möglichkeit, ordiniert oder gewählt zu werden.
Wahl-Entscheid
Im Sommer treffen sich die Delegierten der Landeskirche zur Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) im freiburgischen Bulle. Dort werden sie entscheiden, wen sie ab 2027 an die Spitze der Exekutive wählen. Die amtierende Präsidentin Rita Famos stellt sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung, ebenso treten die amtierenden Ratsmitglieder zur Wiederwahl an.
Ebenso befassen sich die Delegierten mit einer Missbrauchsstudie, bis spätestens im Sommer soll der Studienauftrag vergeben werden. Die Ergebnisse würden bis Ende des Folgejahres 2027 vorliegen.
Finanz-Entwürfe
Die Reformierten Kirchen müssen in den kommenden Jahren möglicherweise mit weniger Steuergeldern auskommen. Im Frühjahr berät die Politik, ob Unternehmen von der Kirchensteuer befreit werden.
Mit finanziellen Fragen müssen sich auch andere Kirchgemeinden beschäftigen. In Thun haben die Stimmberechtigten entschieden, sich zu einer einzigen Kirchgemeinde zusammenzuschliessen. Das soll Ressourcen bündeln und Ausgaben schonen. Fusionspläne gibt es darüberhinaus auch im Aargau. Dort steht zudem ein wichtiger Entscheid zur grossen Kirchenreform an. Der Kirchenrat hat Anfang 2021 einen Veränderungsprozess angestossen, die notwendigen gesetzlichen Bestimmungen sollen bis 2026 verabschiedet werden und bis 2030 umgesetzt sein. Um an finanzielle Mittel zu kommen, entscheiden Kirchgemeinden auch immer wieder, sich von Gebäuden zu trennen. Kürzlich wurde eine Kirche auf der Rigi verkauft.
Politik-Fragen
Auch mit politischen Themen müssen sich die Reformierten befassen. In der Zürcher Synode etwa wird voraussichtlich im Frühling entschieden, ob es für die Zürcher Kirchen verbindliche Klimaziele gibt. Das Vorhaben ist umstritten.
Ebenfalls um Klimafragen geht es bei einer Klimaklage gegen den Zementkonzern Holcim. Drei Indonesier und eine Indonesierin fordern von Holcim Entschädigungen für erlittene Klimaschäden. Kurz vor Weihnachten hat das Kantonsgericht Zug bekanntgegeben, auf die Klage einzutreten. Da Holcim den Entscheid vor die nächsthöhere Instanz zieht, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Käme es aber zu einem Prozess, müsste geklärt werden, ob die Inselbewohner durch die Arbeiten des Zementkonzerns geschädigt werden.
Ein weiteres Politgeschäft ist die Neuauflage der Konzernverantwortungsinitiative, kurz Kovi. Letzten Sommer reichte das Initiativkomitee fast 300’000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei ein. Aktuell ist die Kovi 2.0 beim Bundesrat hängig, der einen indirekten Gegenvorschlag ausarbeiten will. Für ihr politisches Engagement im Rahmen der Kovi-Abstimmung 2020 waren die Kirchen kritisiert worden. Dieses Mal positionieren sie sich, zumindest bisher, zurückhaltender.