Fusionen

«Es muss zwingend etwas geschehen»

Sollen alle 74 reformierten Aargauer Kirchgemeinden zu einer einzigen fusionieren? Mit diesem Vorschlag hat der Wettinger Pfarrer Lutz Fischer vor einem Jahr eine Debatte ausgelöst. Inzwischen hat das Vorhaben Fahrt aufgenommen.
Die Fusion der Kirchgemeinden Wettingen-Neuenhof und Spreitenbach-Killwangen musste jüngst auf Eis gelegt werden. Blick auf die Gemeinden Wettingen und Neuenhof. (Bild: Pascal Mora/ Keystone)

Herr Fischer, vor rund einem Jahr haben Sie vorgeschlagen, alle reformierten Aargauer Kirchgemeinden zu fusionieren. Halten Sie das nach wie vor für eine gute Idee?
Ich bin überzeugt davon, dass wir uns von kleinen Fusionen zwischen einzelnen Gemeinden lösen sollten. Sie sind nicht nachhaltig und erfordern nach einigen Jahren nur weitere Fusionen. Daher sollten wir etwas Grösseres wagen.

Wie hat sich die Debatte inzwischen entwickelt?
Einzelne Kirchgemeinden sind miteinander ins Gespräch gekommen und zeigen sich offener für Fusionen. Wir haben die Arbeitsgruppe «Überregionale Zusammenschlüsse» gebildet, in der sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Kirchenpflegen regelmässig treffen. Dort entwickeln wir ein Modell, wie eine grosse Kirchgemeinde funktionieren könnte. Dieses Modell wollen wir anderen Kirchgemeinden vorstellen.

Zur Person

Lutz Fischer (58) ist reformierter Pfarrer in der Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof im Kanton Aargau. Er ist zudem EVP-Grossrat und Präsident der Synode der reformierten Landeskirche.

In einem Beitrag für den Blog der Aargauer Landeskirche regte er vor einem Jahr den Zusammenschluss der Aargauer Kirchgemeinden zu einer einzigen Grosskirchgemeinde an (ref.ch berichtete). Seither engagiert er sich in der Arbeitsgruppe «Überregionale Zusammenschlüsse» für dieses Anliegen. (no)

Warum braucht es eine grosse Kirchgemeinde?
Viele denken Kirchgemeinde zu territorial: In jeder Gemeinde soll es sonntags einen Gottesdienst und ein breites Angebot vor Ort geben. Doch die Realität hat sich verändert. Zum einen bleiben die Teilnehmenden immer mehr aus. Zum anderen sind die Menschen mobiler geworden und gehen dorthin, wo ihnen etwas gefällt. Angesichts des Pfarrmangels und des insgesamt abnehmenden Interesses ist eine solche Versorgung auch gar nicht mehr realisierbar. In einer grossen Kirchgemeinde könnten Pfarrerinnen und Pfarrer nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden.

Welche Hindernisse sehen Sie auf dem Weg zu einer grossen Gemeinde?
Viele Menschen hängen am Bild der heutigen Kirchgemeinde. Vieles, was sie bewahren möchten, gibt es aber schon jetzt kaum noch oder wird in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Ein weiteres Hindernis ist die Überlastung der Kirchenpflegen. Sie sind mit Alltagsgeschäften absorbiert – mit Fragen zu Immobilien, zu Personal, zum Pfarrmangel. Da bleibt kaum Raum, um weiter zu denken und zu planen.

Ist die Gemeindeautonomie ein Problem?
Ich bin ein Verfechter der Gemeindeautonomie. Sie ist kein Hindernis, macht den Prozess aber anspruchsvoller. Daher ist es wichtig, dass die Fusionen von unten kommen. Sie dürfen nicht von der Landeskirche aufgezwungen werden. Das würde nur einen Abwehrreflex auslösen.

Wie geht es nun weiter?
Wir werden in der Arbeitsgruppe weiterarbeiten, bis das Konzept so weit entwickelt ist, dass wir aktiv auf Kirchenpflegen zugehen können. Wir wollen dranbleiben, weil wir überzeugt sind, dass zwingend etwas geschehen muss.

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