EKS-Synode
Grosse Einigkeit beim zweiten Anlauf für Missbrauchsstudie
Ob es – nun doch noch – eine reformierte Missbrauch-Studie geben soll, ist an der Herbstsynode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) in Bern nie zur Debatte gestanden: Die Votantinnen unterstützten das Vorhaben unisono. Der Tenor: Die Kirche soll ein sicherer Ort für alle sein.
Am Ende der knapp einstündigen Diskussion leuchteten auf dem Abstimmungsdisplay 65 grüne Feldchen auf: Die Synode beauftragte den EKS-Rat einstimmig, mittels einer wissenschaftlichen Studie möglichen sexuellen und spirituellen Missbrauch in der reformierten Kirche aufzuarbeiten. Einzig bei der Abstimmung zum Kostendach von 250‘000 Franken gab es zwei Enthaltungen und eine Nein-Stimme.
«Es ist an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen», sagte der Schaffhauser Kirchenratspräsident Wolfram Kötter, der im Namen der Ostschweizer Delegation sprach, während der Debatte im Berner Rathaus.
- Der Voranschlag 2026 wurde angenommen
- Die Assoziierung mit der Swiss Church wurde angenommen
- Christine Hahn ist neues Mitglied der Geschäftsprüfungskommission
- Dewet Moser ist ab 2026 neues Mitglied im Stiftungsrat des Hilfswerks der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (Heks) (gab)
Die krankheitsbedingt abwesende Evelyn Borer, Synodalratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Solothurn, liess ausrichten: «Nehmen wir die Zeichen der Zeit ernst.» Sexualisierter und spiritueller Missbrauch sei kein Randphänomen.
«Immer mehr Betroffene erheben ihre Stimmen, auch in der evangelisch-reformierten Kirche.» Es brauche Räume für Anerkennung, Aufarbeitung und echte Prävention. Borer war von 2021 bis 2024 EKS-Synodepräsidentin und spielte deshalb in der Aufarbeitung der Causa Locher eine tragende Rolle.
Auch die femmes protestantes sowie die Frauen- und Genderkonferenz meldete sich zu Wort. Miriam Neubert sprach für Letzere, sie empfahl eine Annahme der Vorlage, weil die Studie einen «glaubwürdigen Beitrag» zur Aufarbeitung leiste.
Famos: «Aus Versäumnissen lernen»
An der EKS-Synode im Sommer 2024 hatten die Delegierten eine Studienvorlage noch abgelehnt (ref.ch berichtete). Diese wäre allerdings umfassender gewesen: Anders als die jetzt geplante Studie wäre sie nicht nur auf den Kontext der Reformierten Kirche begrenzt gewesen.
Die sogenannte Dunkelfeldstudie hätte eine nationale gesamtgesellschaftliche Missbrauchsstudie umfasst. Sie wäre folglich deutlich umfassender gewesen und hätte rund 1,6 Millionen Franken kosten sollen. Der Entscheid gegen die Studie wurde damals mit 32 Nein- zu 24 Ja-Stimmen bei fünf Enthaltungen getroffen.
Nun, nachdem sich eine Arbeitsgruppe tiefer mit dem Thema befasst hat, fokussiert man sich auf die Rolle der reformierten Kirchen. Mit der neuen Studie, so EKS-Präsidentin Rita Famos, wolle man «verstehen, anerkennen, und aus den Versäumnissen der Vergangenheit lernen». Das Ziel dabei: Vertrauen und Sicherheit in den kirchlichen Gemeinschaften stärken.
Das Design der nun geplanten Studie beinhaltet Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und kirchlichen Mitarbeitenden. Zudem sollen strukturelle Faktoren wie kirchliche Hierarchien oder Machtasymmetrien analysiert werden.
Ergebnisse in zwei Jahren
In der Debatte bezeichneten einige Votanten den Kostenrahmen von 250‘000 Franken für die Studie als «absolutes Minimum», so etwa der Zürcher Daniel Oswald. «Am liebsten würde ich noch 150‘000 Franken draufschlagen, damit wir sicher genug Geld haben.» Er wies darauf hin, dass Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch die Aufgabe aller Institutionen sei. «Wir gehen voran. Wir kooperieren mit Wissenschaft und Opferhilfe. Wir veröffentlichen Ergebnisse, übernehmen Verantwortung und schauen ohne Ausflüchte hin.»
Zu reden gab einzig der Titel der geplanten Studie. Der Zürcher Delegation war der Begriff «spiritueller Missbrauch» zu diffus. Dieser war von Missbrauchsbetroffenen eingebracht worden. Die Delegation verlangte, diesen zu streichen und stattdessen von «sexueller Missbrauch und dessen Mechanismen» zu sprechen. Der Vorschlag scheiterte mit 35 Nein- gegen 24-Ja Stimmen.
Bis spätestens im Sommer 2026 ist die Vergabe des Studienauftrages geplant. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2027 vorliegen und spätestens an der EKS-Sommersynode 2028 präsentiert werden.