Wahlen in den USA
Pfarrerinnen und Pfarrer erobern Sitze im US-Parlament
Sie stellen sich gegen den christlichen Nationalismus der Maga-Bewegung und gewinnen damit Wahlen: Ein Methodistenpfarrer wird Senator, eine lutherische Pfarrerin zieht ins Repräsentantenhaus ein.
Und der demokratische Posterboy James Talarico gewinnt als liberaler Christ im erzkonservativen Bundesstaat Texas.
Adam Hamilton
Vom Republikaner zum Demokraten
Dass Adam Hamilton Senator werden könnte, hätten vor kurzem viele nicht gedacht. Hamilton ist Methodistenpfarrer in Kansas City. Das letzte Mal wurde ein demokratisches Kandidat 1932 in den Senat gewählt. Doch sein Trumpf ist, dass er Trumps Flirt mit der Religion entlarvt.
Hamilton war selbst Republikaner, verliess aber die Partei und liess sich erst 2026 für die Demokraten registrieren. Er hat eine grosse Gemeinde hinter sich: zu den Anlässen in der von ihm gegründeten «United Methodist Church of the Resurrection» kommen wöchentlich rund 25'000 Menschen, wie US-Medien schreiben.
Einer US-Zeitung sagte er einmal, dass ihn Bilder in den Nachrichten von Trumps Partei zu den Demokraten brachten: «Ich dachte, das sieht nicht nach dem Reich Gottes aus, für das ich mein ganzes Leben lang gebetet und gepredigt hatte.» Er stellt sich gegen die Aktionen der Einwanderungsbehörde ICE, für eine Unterstützung Israels und gegen dessen zerstörerische Strategie im Krieg im Gazastreifen. Er gewann mit einem Stimmenanteil von 51 zu 46 Prozent.
Sarah Trone Garriott
Wichtigen Sitz für Demokraten erobert
Im Bundesstaat Iowa hat die lutherische Pfarrerin Sarah Trone Garriott für die Demokraten einen Sitz im Repräsentantenhaus zurückgewonnen. Sie erhielt 54 Prozent der Stimmen.
Ihr gelang es, einen wichtigen Sitz im Kampf um die Mehrheit im Kongress zu gewinnen. Sie hatte ihre Kampagne darauf abgestellt, die Lebenskosten für Familien zu senken und die Gesundheitsversorgung der Menschen sicherzustellen.
Lindsay James
Selbstloser Einsatz für die Gesellschaft
Mit dem gleichen Programm schaffte die presbyterianische Pfarrerin Lindsay James für die demokratische Partei in Iowa den Einzug in den Kongress. Dem «Iowa Public Radio» sagte sie: «Die Menschen sehnen sich nach jemandem, dem es nicht darum geht, seine politische Karriere oder sein gesellschaftliches Leben voranzutreiben.»
Im Gegenteil: Sie suchten jemanden, dem die Bedürfnisse der Mitmenschen «wirklich am Herzen liegen» würden, «und als gläubige Person bin ich genau diese Person».
James Talarico
David gegen Goliath in Texas
Seinen christlichen Glauben hat auch der Demokrat James Talarico im Wahlkampf oft zum Thema gemacht. Der ehemalige Lehrer hat überraschend den Senatssitz für den konservativen US-Bundesstaat Texas gewonnen. Das gelang den Demokraten zum ersten Mal seit 40 Jahren.
Seinen Sieg hat er mit dem Kampf von David gegen Goliath verglichen. «In diesem Rennen besiegen wir unsere eigenen Goliaths: den reichsten Mann der Welt, den mächtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C.»
In der alttestamentarischen Erzählung besiegt der Hirtenjunge David den Riesen Goliath mit einem gezielten Steinwurf. «Die Menschen in Texas waren meine Steinschleuder», sagte Talarico. Die Texaner hätten bei der Wahl «jedem Trillionärs-Mega-Spender, jedem korrupten Verteidiger dieses kaputten politischen Systems» deutlich gemacht, dass die Macht beim Volk liege. Talaricos Spitze richtete sich damit nicht nur gegen US-Präsident Donald Trump, sondern auch gegen Tech-Milliardär Elon Musk.
Dieser hatte in den Wahlkampf von Talaricos Gegner mehr als 150 Millionen Dollar gepumpt – und die Republikaner insgesamt mit mehr als 440 Millionen Dollar unterstützt. Auf die Niederlage der Trump-Partei reagierte Musk am Wahlabend so: «Ich schätze, meine Weltraum-Laser zur Wahlbeeinflussung haben diesmal nicht funktioniert.»
Talarico, der Hoffnungsträger der Demokraten, kündigte nach seiner Wahl eine «Politik der Liebe» statt des Hasses, der Angst und der Spaltung an. «Vieles ist kaputt in Amerika. Unser Wirtschaftssystem ist kaputt. Unser politisches System ist kaputt. Sogar unsere Beziehungen miteinander fühlen sich kaputt an. Und das ist so, weil die mächtigsten Menschen der Welt es so wollen», sagte der 37-Jährige.
Frederick Haynes III
Ein Bürgerrechtler verlässt die Kanzel
Ebenfalls erfolgreich in Texas ist Frederick Haynes III. Er wurde für die Demokraten ins Repräsentantenhaus gewählt. Der Baptistenpfarrer steht seit 40 Jahren einer Kirche in Dallas vor und ist ein Kämpfer für Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit. Der 65-Jährige sagte der «Texas Tribune» über seinen Wechsel von der Kanzel in die Politik: «Das ist eine Fortsetzung der Mission, der ich mich seit so vielen Jahren widme.»
Zu seiner Kandidatur gebracht hat ihn einerseits die Massnahme der Republikaner, die Grenzen von Wahlbezirken zu ihren Gunsten neu zu ziehen. Andererseits ist er täglich mit den Sorgen der Menschen in seinem Bezirk konfrontiert, die ernste Geldsorgen haben. «Wir sind eine Krise entfernt von einer ökonomischen Katastrophe», sagte er der Zeitung.
Mitglieder seiner Kirchgemeinde forderten Haynes auf, in die Politik zu gehen und sich für sie einzusetzen. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist, meldete er seine Kandidatur an. Der Baptistenpfarrer zögerte laut der «Texas Tribune» auch, weil er wusste, was auf ihn zukommen würde: Jahrelang war er der geistige Mentor der bisherigen demokratischen Abgeordneten aus Dallas, Jasmine Crockett.
Doch er sagt: «Wir haben einen Präsidenten und einen Kongress, die sich über Gesetz und Ethik hinwegsetzen. Der Kongress soll die Exekutive zur Rechenschaft ziehen, doch das ist nicht gesehen.» Er habe kandidiert, um das zu ändern.