Prävention
«Wir haben von den Erfahrungen der Armee profitiert»
Frau Bachmann, die Reformierte Kirche Kanton Luzern plant eine Studie zum Thema Prävention und Schutz vor Grenzverletzungen. Durchführen wird sie das Forschungsinstitut gfs.bern. Weshalb braucht es diese Studie?
Die Studie, die im nächsten Januar durchgeführt wird, analysiert die Präventionsarbeit in unserer Landeskirche. Wir werden sie alle zwei bis drei Jahre wiederholen, um die Wirkung der Prävention zu evaluieren und diese weiter verbessern zu können.
Welche Bereiche werden spezifisch erhoben?
Es geht um die Erhebung und die Analyse von Erfahrungen mit sexuellem und spirituellem Missbrauch in den Kontexten der Reformierten Kirche im Kanton Luzern. Weiter geht es um die Untersuchung der Wirksamkeit bisheriger Schutz- und Präventionskonzepte. Der dritte Schwerpunkt ist die Formulierung evidenzbasierter Empfehlungen zur Verbesserung von Schulungs-, Melde- und Interventionsstrukturen.
Im Bereich der Prävention besuchen Mitarbeitende der Kirche Schulungen, die von der Fachstelle MachtRaum geleitet werden. Ist das Ausbildungsprogramm schon angelaufen?
Nein, das kommt noch. Dieses Jahr haben wir das Schulungskonzept erarbeitet und 2026 wird die Partizipation mit dieser Arbeitsgruppe starten, um den Verhaltenskodex zu entwickeln. Die Schulungsinhalte stützen sich auf den Kodex. In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns mit vielen verschiedenen Institutionen ausgetauscht und von ihren Erfahrungen profitiert. Gerade mit der Armee oder der Stiftung Brändi hatten wir einen engen Austausch. Da haben wir gesehen: Es braucht Dialog und Mitwirkung, um eine gemeinsame Kultur zu entwickeln.
Lilian Bachmann ist Synodalratspräsidentin der Reformierten Kirche Kanton Luzern. Seit diesem Jahr ist sie auch Präsidentin des Vorstands des Vereins Reformierte Medien, zu dem unter anderem ref.ch gehört. (dst)
Wie soll das konkret erfolgen?
Nächstes Jahr wird eine Arbeitsgruppe aus Vertretenden der Kirchgemeinden zusammen mit der Fachstelle Machtraum Verhaltenskodex und Schulungen erarbeiten. Darauf basieren die obligatorischen Schulungen. Diese werden Ende 2026 ein erstes Mal angewendet und auch von der Arbeitsgruppe begleitet. Anfang 2027 beginnen die Schulungen mit allen Mitarbeitenden, Behördenmitgliedern und allen Freiwilligen.
Wie lange war der Vorlauf für das Projekt?
Die Anfänge reichen in die Corona-Zeit zurück, aber Fahrt aufgenommen hat das Projekt 2022. Es braucht Zeit, damit es am Ende überzeugt. Wie so oft gilt auch hier: Sorgfalt vor Eile.
Anfang 2026 wird die externe und unabhängige Meldestelle der Landeskirche ein Jahr Arbeit hinter sich haben. Was können Sie schon darüber sagen?
Für uns ist wichtig, dass sich alle an eine professionelle Stelle wenden können, wenn sie eine Form von Grenzverletzung im kirchlichen Kontext erleben. Dabei soll der Zugang einfach erfolgen können.
Wie gross ist das Budget für Projekt und Studie?
Es beträgt rund 80'000 pro Jahr. Die Summe deckt auch die Konzeptionierung und das Erarbeiten der Leitlinien. Wir investieren viele personelle und finanzielle Ressourcen. Das zeigt, wie wichtig uns das Thema ist.
Mit dem Thema Prävention müssen sich alle Landeskirchen auseinandersetzen. Was könnten sich andere vom Luzerner Projekt abschauen?
Wie hilfreich es ist, wenn man sich vernetzt. Die Zürcher Landeskirche hat uns zum Beispiel unterstützt. Sie ist sehr viel weiter als wir in diesem Thema. Auch Refbejuso treibt das Thema voran und arbeitet dafür mit der Fachstelle MachtRaum zusammen. Wir haben viel Zeit in Abklärungen investiert und mit den besten Leuten zusammengearbeitet. Wichtig ist ausserdem, dass man früh die Kirchgemeinden einbindet, weil sie die Prävention mittragen werden. Weil wir eine kleine Landeskirche sind, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, gewisse Abläufe zu automatisieren. Wir verwenden ein Online-Monitoring-Tool, um den Überblick zu behalten, welche Mitarbeitende und Freiwillige schon ihre Unterlagen eingereicht und ihre Module besucht haben. Mit digitalen Lösungen schonen wir unsere Ressourcen.