Neue Fachstelle für Prävention gegründet
Drei Fachleute für Prävention gründen einen Verein und nennen ihn «MachtRaum». Im Namen enthalten ist einerseits «Macht», die zu Missbrauch führen kann. Andererseits kann man ihn auch als «macht Raum» lesen – und darum geht es den Initiantinnen und dem Initianten: Räume eröffnen, in denen am Arbeitsplatz heikle Situationen und Probleme im Zusammenhang mit professioneller Nähe und Distanz besprochen werden können.
Viel Know-How
Die Gesichter der Fachstelle sind Karin Iten, Stefan Loppacher und Ute Spiekermann. Iten leitete elf Jahre lang die Fachstelle Limita zur Prävention sexueller Ausbeutung und arbeitete danach bis Sommer 2023 bei der Präventionsfachstelle des Bistums Chur. Sie hat heute ein Teilzeitpensum als Präventionsexpertin bei Swiss Olympic.
Bis Ende August dieses Jahres war Stefan Loppacher Präventionsbeauftragter für das Bistum Chur. Dann hat er die Leitung der neu geschaffenen nationalen Dienststelle «Missbrauch im kirchlichen Kontext» übernommen. Ute Spiekermann ist als Präventionsbeauftragte bei der Reformierten Landeskirche Aargau angestellt und war ebenfalls elf Jahre lang für Limita tätig.
Spiekermann und Iten haben früher zusammengearbeitet, Iten und Loppacher waren Arbeitskollegen im Bistum Chur. Aktuell sind die drei Fachleute in einem Gemeinschaftsbüro im Schiffbau eingemietet. Was sie zusammen erreichen möchten, fusst auf ihrer langjährigen Erfahrung als Präventionsfachpersonen in verschiedenen Umfeldern.
Spiekermann sagt es so: «Wir wollen Organisationen unterstützen, eine Kultur von Respekt, Transparenz und Besprechbarkeit, einzuführen.» Denn so könne man emotionalem oder spirituellem Missbrauch vorbeugen. «Täter und Täterinnen suchen sich ein Umfeld, das ihr Handeln ermöglicht», sagt sie. Betroffen davon sind unter anderem Sportvereine und -verbände, kirchliche Einrichtungen oder der Kulturbereich. Und «ermöglichen» heisst: ignorieren, abwarten, schweigen.
Prävention als Kultur
Formuliere ein Unternehmen oder eine Institution lediglich ein Leitbild mit Absichtserklärungen, sei noch nichts gegen missbräuchliches Verhalten erreicht, sagt sie. Denn: «Prävention muss konkret und im Alltag sichtbar sein. Papier ist geduldig.» Iten, Loppacher und Spiekermann sind überzeugt, dass Prävention nur gelingen kann, wenn alle Mitglieder einer Organisation eine Kultur mittragen, die Missbrauch verhindert.
Organisationen, die beim Thema Missbrauch auf Meldestellen setzen, handeln laut Spiekermann reaktiv. Eine Meldestelle wird erst nach einem Vorfall informiert. Missbrauchsprävention lässt sich nach Ansicht der Fachstelle auch nicht an Einzelpersonen delegieren. (dst)