Löhne in der Nidwaldner Kirche geben zu reden

Innerhalb von acht Jahren haben sich die Lohnkosten in der Evangelisch-reformierten Kirche Nidwalden mehr als verdoppelt. Das sorgte an der Kirchgemeindeversammlung für kritische Fragen.


An sich gab das Budget 2020 an der Versammlung der reformierten Kirche Nidwalden vom 25. November in Stansstad keinen Anlass zu Klagen: Bei einem Aufwand von 2,7 Millionen Franken sieht es einen Gewinn von 73‘000 Franken vor. Dass es dennoch Diskussionen gab, hing mit dem massiv höheren Personalaufwand zusammen, wie die Luzerner Zeitung am 26. November berichtete.

Demnach sind die Lohnkosten in der Nidwaldner Kirche zwischen 2012 und 2019 von rund 250‘000 Franken auf über 500‘000 Franken gestiegen. Dies kritisierten mehrere Abgeordnete. Der Synodale Franz Nick fragte unter anderem, ob der Steuerzahler von diesem Lohnanstieg denn einen Mehrwert habe.

Höhere Anforderungen

In seiner Antwort relativierte Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede die höheren Personalkosten. Diese seien unter anderem deshalb zustande gekommen, weil mit dem Wechsel auf eine neue Rechnungslegung auch die Löhne der Religionslehrerinnen verbucht würden. Gaede verwies aber auch darauf, dass die Anforderungen an die Kirche komplexer geworden seien, wie die Luzerner Zeitung weiter berichtet. So habe zum Beispiel die Stelle eines Jugendarbeiters neu geschaffen werden müssen. Ebenso seien einige Teilpensen erhöht worden.

Von diesen Argumenten liessen sich die meisten Abgeordneten schliesslich überzeugen. Sie genehmigten das Budget mit lediglich einer Gegenstimme. Ebenfalls hiess das Parlament einen Kredit in der Höhe von 451’000 Franken für Sanierungen an der Kirche Buochs gut, schreibt die Luzerner Zeitung weiter.

Mehr Verantwortung für Gemeindekreise

Wenig Zählbares kam bei der Debatte über die Strukturreform heraus. Im Frühling 2018 hatte der Kirchenrat einen externen Berater engagiert, der Vorschläge für eine Reform der Nidwaldner Kirche unterbreiten sollte (ref.ch berichtete). Nachdem eine Retraite und ein Workshop in diesem Jahr ergebnislos verliefen, beauftragte der Kirchenrat im Sommer eine Arbeitsgruppe damit, konkrete Schritte vorzuschlagen. Diese legte der Kirchenrat noch vor der Versammlung in einem offenen Brief dar.

Unter anderem sehen die Vorschläge eine Stärkung der zentralen Verwaltung und damit eine Entlastung des Kirchenrates vor. Weiter sollen die drei Gemeindekreise Stans, Hergiswil und Buochs mehr Autonomie erhalten. Insbesondere sollen sie in Zukunft ihre Budgets selber einsetzen und verantworten. Bislang war dies Aufgabe des Kirchenrates.

In der Vergangenheit war es deshalb immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Kirchenrat und den Kirchenpflegen der Gemeindekreise gekommen. Mit der neuen Regelung will der Kirchenrat eine klarere Verteilung der Kompetenzen erreichen.

Neuer Anlauf bei Reform

In der Diskussion begrüssten die Abgeordneten zwar die Stossrichtung der Reform. Sie wünschten sich aber noch mehr konkrete Antworten vom Kirchenrat, wie es in einer Mitteilung der Nidwaldner Kirche heisst. So gebe es noch viele offene Fragen, zum Beispiel zur zukünftigen Anzahl der Gemeindekreise, zum Thema gemeinsame oder geteilte Leitungsfunktionen oder zur Pfarrwahl.

Insbesondere müssten auch die Schwachstellen des neuen Modells ausgeleuchtet werden. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, will der Kirchenrat nun am 9. Dezember ein weiteres Mal die Arbeitsgruppe zusammenrufen. (no)