Es harzt beim Reformprozess der Nidwaldner Kirche

Trotz Workshop, Retraite und externer Analyse konnte bisher kein Kompromiss für eine Reorganisation der Nidwalder Kirche gefunden werden. Nun will der Kirchenrat das Heft wieder in die Hand nehmen.


Die Kritik ist seit Längerem bekannt: Die Organisation der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden sei ein Schönwettermodell, schrieb Kirchenratspräsident Wolfgang Gaede bereits im Mai 2018 in einer Medienmitteilung. Bei Gewitterwolken taugten die Strukturen dagegen nicht; insbesondere Konflikte könnten im bestehenden Modell nicht effizient gelöst werden.

Aus diesem Grund engagierte der Kirchenrat einen externen Berater, der die Organisation durchleuchten und Vorschläge für eine Reform machen sollte (ref.ch berichtete). Ausserdem fanden im Februar eine Retraite sowie im Mai ein Workshop statt – offenbar ohne Erfolg, wie es in der aktuellen Ausgabe der Kirchen-News, dem Magazin der Nidwaldner Kirche, heisst. «Am Workshop hatte sich akzentuiert, dass alle auf ihrer Ansicht beharren und nicht bereit sind, Kompromisse einzu­gehen. Diese sind aber Voraussetzung für ein Vorankommen des Projekts», schreibt Wolfgang Gaede im Beitrag «Aus dem Kirchenrat».

Kompetenzregelung als Problem

Auf Nachfrage von ref.ch erklärt Gaede, das Hauptproblem sei die Kompetenzverteilung zwischen dem Kirchenrat und den Kirchenpflegen. Beispielsweise könnten die einzelnen Gemeinden ihre Budgets selbstständig erarbeiten. Vor der Kirchgemeindeversammlung präsentieren – und damit vor den Steuerzahlen rechtfertigen – müsse die Budgets aber der Kirchenrat.

«Wir sollen also etwas verantworten, bei dem wir nicht mitbestimmen konnten. Das macht aus Sicht der Organisationsentwicklung keinen Sinn», sagt Gaede. Ähnliche Schwierigkeiten gebe es auch bei Personal- und anderen Leitungsfragen.

Der Organisationsexperte Albert Schnyder bestätigte nach seiner Analyse die strukturellen Probleme und empfahl der Kirche zu handeln. Laut Gaede sei der Workshop im Mai dazu gedacht gewesen, dass die Kirchenpflegen sich zusammensetzten und gemeinsam einen Lösungsvorschlag erarbeiteten; obwohl der Kirchenrat sich bewusst rausgehalten habe, sei dies jedoch nicht gelungen.

Abstimmung im Frühling

Aus diesem Grund hat der Kirchenrat die Reorganisation nun wieder selber in die Hand genommen: Er hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ihm schon im Oktober zwei konkrete Vorschläge für eine Reform der Strukturen unterbreiten soll. Einen davon will der Kirchenrat im November der Kirchgemeindeversammlung als gesetzgebendem und beschliessendem Organ unterbreiten.

«Wir hoffen, dass dann eine Diskussion zustande kommt, auf deren Basis wir den Vorschlag weiter verfeinern können», sagt Gaede. Das Ziel sei, im Frühling über einen konkreten Antrag abzustimmen. (vbu)