Nutzung kirchlicher Immobilien

Kirchenwohnungen sind keine Cash-Cows

Wohnraum ist knapp in der Schweiz, die Mieten steigen. Das bietet Renditechancen – auch für Kirchgemeinden. Doch sollen sie profitieren oder ihre Wohnungen günstig vermieten? Es gibt verschiedene Ansätze.

Wo heute eine Kirche steht, möchte die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Die Wohnungen würden zu marktüblichen Preisen vermietet – weil die Kantonalkirche knapp bei Kasse ist. (Bild: Visualisierung Burckhardt Architektur AG)

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt hat hohe Unterhaltskosten, wenige Mitglieder und erhält keine Kirchensteuer von Unternehmen. Sie hat deshalb nach weiteren Einnnahmequellen gesucht – und gefunden. Wohnraum, welcher der Kirche gehört, wird von einer kircheneigenen Stiftung vermietet. Dies geschieht zu Preisen, die marktüblich sind, denn: Die Mieteinnahmen kann die Kirche gut gebrauchen.

Gleichzeitig herrscht grosser Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Das Hilfswerk Caritas hat festgehalten, dass gerade Menschen mit kleinem Budget oder von Armut Betroffene, nicht selten ihre Wohnung in urbanen Zentren verlassen müssen, wenn die Mieten steigen. Eine neue Bleibe finden sie häufig nur in der Peripherie – die Reisekosten fressen dann einen substanziellen Teil ihres Lohns auf. Aline Masé, Leiterin Fachstelle Sozialpolitik bei Caritas, betont, wie wichtig der Bau von günstigen Wohnungen sei. Neben Wohnbaugenossenschaften könnten auch die Kirchgemeinden bezahlbare Wohnungen anbieten. Masé sagt: «Ich nehme an, dass die Kirche eine soziale Vermieterin ist.»

Ist sie das? ref.ch hat recherchiert. Die folgende, nicht abschliessende Auswahl zeigt: In der Regel achten evangelisch-reformierte Kirchgemeinden bei Neu- und Umbauten darauf, günstigen Wohnraum zu schaffen.

Ein modernes Holzhaus in Luzern

Die Reformierte Kirche Luzern plant ein Haus aus Holz mit gemeinschaftlichen Räumen im Erdgeschoss, einer Kindertagesstätte im ersten Stock und 25 Wohnungen in den fünf Stockwerken darüber. Ein Ziel ist, Wohnraum für finanziell benachteiligte Personen zu schaffen, wie aus den Unterlagen für das Projekt hervorgeht. Die Miete solle zehn Prozent unter den quartierüblichen Mieten liegen, heisst es darin. Der 15-Millionen-Franken-Bau soll 2027 bezugsbereit sein.

Im Nachbarkanton Zug besteht eine zunehmend grosse Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Die Reformierte Kirche Kanton Zug prüft, wie sie bezahlbare Wohnungen im Kanton fördern kann. Auf Anfrage schreibt die Kommunikationsverantwortliche Simona Starzynski: «Wir konzentrieren uns auf Machbarkeitsstudien zu eigenen Liegenschaften und die Möglichkeit, dort bezahlbaren Wohnraum zu entwickeln und anzubieten.» Bislang ist noch kein Projekt spruchreif.

Verantwortung übernehmen im teuren Zürich

Geduld und Glück braucht vor allem, wer in der Stadt Zürich eine Wohnung sucht. Am 1. Juni 2023 meldete die Stadt eine Leerwohnungsziffer von 0,06 Prozent. Damals standen 144 Wohnungen leer. Neubauten lindern die Lage nicht: Die Wohnungen sind vergeben, bevor sie fertig gebaut sind.

Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich besitzt rund 300 Wohnungen in der Stadt. Davon sind viele alt und von langjährigen Mietern bewohnt. Die durchschnittliche Miete beträgt nur 1300 Franken und entspricht so in etwa den Preisen von gemeinnützigen Wohnungen. Zum Vergleich: Der Medianpreis einer leerstehenden 3-Zimmerwohnung in der Stadt Zürich beträgt 2475 Franken, jener für vier Zimmer 3350 – das hat die Zürcher Stadtverwaltung im vergangenen Jahr ermittelt.

«Die Kirchgemeinde nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung in diesem Bereich ernst», sagt Mediensprecher Fabian Kramer. Sie stelle generell bezahlbaren Wohnraum zu Verfügung und erhebt die Kostenmiete. Im Gegenzug verlangt sie, dass die Wohnungen von einer angemessenen Anzahl Personen bewohnt sind und dass sie der Erstwohnsitz sind. «Bei der Vergabe werden die familiäre und soziale Situation der Mieterinnen und Mieter berücksichtigt», sagt Kramer. In begründeten Fällen kann die Kirchenpflege den Mietpreis zusätzlich reduzieren.

Aktuell lässt die Kirchgemeinde Zürich ein Mehrfamilienhaus bauen. Im beliebten Wohnquartier Hottingen hat sie noch ein freies Grundstück neben dem ehemaligen Pfarrhaus besessen. Darauf ensteht ein Mehrfamilienhaus, das strengen Nachhaltigkeitsanforderungen genügt. Für neue Wohnungen an dieser Lage könnte die Kirchgmeinde stolze Mieten verlangen. Doch Kramer sagt: «Es wird die Kostenmiete angewendet. Es ergeben sich Mieten im mittleren Preissegment.» Das Bauprojekt wurde deshalb so angepasst, dass es sich einerseits wirtschaftlich trägt, aber andererseits etwas für das soziale Gleichgewicht in der Stadt tut.