Immobilien

Steigende Mieterträge: Basler Strategie zahlt sich aus

Finanznot macht erfinderisch: Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt zieht einen wichtigen Teil ihrer Einnahmen aus dem Immobilienportfolio.

Anstelle der Markuskirche in der Stadt Basel sind zwei moderne Mehrfamilienhäuser geplant. Bauherrin ist die Kantonalkirche. Sie kann die Mieteinnahmen gut gebrauchen. (Bild: ERK BS)

An der Synode von dieser Woche wird eine Interpellation schriftlich beantwortet. Es geht um die Bewirtschaftung des Immobilienportfolios der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Stadt (ERK BS) und darum, ob Wohnungen im Kirchenbesitz zu reduziertem Mietzins vermietet werden.

Die schriftliche Antwort des Kirchenrats auf die Interpellation wurde mit den Unterlagen zur Synodensitzung bereits verschickt. Und auf die Frage nach reduziertem Mietzins lautet die Antwort sinngemäss: «Nein, es werden alle Wohnungen zu Marktpreisen vermietet.» Das hat seine Gründe.

Im Gegensatz zu anderen Deutschschweizer Kantonalkirchen finanziert sich die baselstädtische ohne Steuereinnahmen von juristischen Personen – das heisst: Sie muss auf die Beiträge von Unternehmen verzichten. Gleichzeitig schwinden die eigenen Mitglieder, die Kirchensteuer bezahlen. Deshalb verfolgt die ERK BS eine Strategie, um unabhängiger von den Kirchensteuern zu werden, wie sie auf Anfrage von ref.ch mitteilt. Mehr als die Hälfte der Einnahmen kommen mittlerweile aus diesen alternativen Quellen.

«Jeder Kirchenaustritt schlägt im Kanton Basel-Stadt direkt auf das Budget der Kirche durch.»
Matthias Zehnder, Medienbeauftragter der ERK BS

Laut der Mitgliederstatistik der ERK BS zählten ihre Kirchgemeinden noch 1995 insgesamt rund 52'400 Mitglieder. Seither ist diese Zahl um 57 Prozent eingebrochen: 2023 verzeichnete die Kantonalkirche noch genau 22'593 Personen, die ihr angehören. Matthias Zehnder, Medienbeauftragter der ERK BS, sagt: «Jeder Kirchenaustritt schlägt im Kanton Basel-Stadt direkt auf das Budget der Kirche durch.»

Sinkende Einnahmen, hohe Kosten

Die Steuereinnahmen beliefen sich vergangenes Jahr auf 16,6 Millionen Franken. Mit diesem Geld hiesse es – neben den verschiedenen Angeboten – unter anderem 17 Kirchen, zwei Kapellen sowie 9 Kirchgemeinde- und Pfarrhäuser zu unterhalten. Das geht aus der Gebäudeliste 2023 hervor. Von den Unterhaltskosten für das Basler Münster übernimmt der Kanton drei Viertel. Den Rest deckt die ERK BS. Die übrigen Gebäude unterhält sie aus eigener Kraft – mit einem Millionenbetrag.

Die finanzielle Belastung ist gross, die konventionellen Einnahmequellen überschaubar. Stephan Maurer, der im Kirchenrat für Bauliches zuständig ist, schreibt deshalb auch in seiner Antwort auf die Interpellation: «Bei jeder Neuvermietung wird darauf geachtet, dass im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten eine möglichst hohe Miete erwirtschaftet werden kann.»

Den Einnahmen aus den Immobilien kommt eine wichtige Rolle zu. Mediensprecher Zehnder meint: «Sie sind eine Möglichkeit, den sinkenden Steuereinnahmen entgegenzuwirken.» Momentan könne die ERK BS 7,5 Prozent der Ausgaben über die Mieteinnahmen decken – Tendenz steigend.

Wichtige Mieteinnahmen

Die ERK BS hat Immobilien, die extern vermietbar sind, in eine eigene Gesellschaft ausgelagert. Die «Bau- und Vermögensverwaltung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt» (BVV) hat gerade ihr 25. Geschäftsjahr abgeschlossen. Sie erwirtschaftet mit den Immobilien Gewinne: 2022 waren es knapp 500'000 Franken, 2023 beliefen sie sich auf über 3,3 Millionen Franken.

«Die Ausschüttung an die ERK ist auch in den kommenden Jahren wie geplant möglich.»
Aus dem Jahresbericht der Bau- und Vermögensverwaltung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt

Einen Teil davon schüttet sie jährlich an die ERK BS aus. Im vergangenen Jahr überwies die BVV 1,4 Millionen Franken. «Die Bewirtschaftung der kirchlichen Liegenschaften dämpft den Mittelabfluss etwas», sagt Zehnder. Die Kasse ist mit über 50 Millionen Franken gut geäufnet. «Die Ausschüttung an die ERK ist auch in den kommenden Jahren wie geplant möglich», schreibt die BVV in ihrem Jahresbericht.

Kirche baut weitere Wohnungen

Mediensprecher Zehnder sagt: «Die BVV hat in den letzten Jahren das Angebot an Mietwohnungen ausgebaut und investiert weiter.» Aktuell werden in Frenkendorf (BL) zwei Mehrfamilienhäuser mit 26 Wohnungen gebaut. Ende des Jahres sollen die Wohnungen bezugsbereit sein. Weitere Projekte könnten folgen, heisst es bei der ERK BS. «Dies ist abhängig von der Marktlage und von realisierbaren Projekten», meint Zehnder.

In der Stadt Basel sollen auch zwei Mehrfamilienhäuser entstehen, deren 20 Wohnungen zugunsten der ERK BS dereinst vermietet werden. Für das Renditeobjekt muss eine Kirche weichen.

Die Markuskirche wurde 1932 gebaut und seit über zehn Jahren fand darin kein Gottesdienst mehr statt. Der Abbruch ist seit langem beschlossen, bereits 2016 hätten die Bagger auffahren können. Die Glocken sind abmontiert und läuten heute im Turm der neugebauten Kirche in Bettingen vor den Toren der Stadt.

Doch laut Zeitungsberichten verzögert Asbest in der Kirche und Schlacke im Untergrund die Umsetzung des Bauprojekts. Die Kirchgemeinde jedoch hat bereits von der Markuskirche Abschied genommen: Ende August 2022 feierte sie dort einen letzten Gottesdienst.