Klimagerechtigkeit

«In einer Kampagne müssen wir unsere Botschaft zuspitzen»

Die Ökumenische Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer fand in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal unter Corona-Bedingungen statt. Im Interview erklärt Kampagnenkoordinator Mischa von Arb, wie sich die Hilfswerke auf die Situation einstellten und warum die Kampagne bei einigen für Unmut sorgte.

Das Sujet zur diesjährigen Ökumenischen Kampagne, zusammen mit dem Slogan «Weniger Fleischkonsum, mehr Regenwald», hat bäuerliche Kreise verärgert. (Bild: Brot für alle/Fastenopfer)

Herr von Arb, im vergangenen Jahr wurden Sie von der Corona-Pandemie überrascht, viele Veranstaltungen der Ökumenischen Kampagne mussten ausfallen. Waren Sie diesmal besser vorbereitet?
Mit der Planung der Ökumenischen Kampagne starten wir jeweils im Vorjahr. Anders als 2020 waren wir darauf vorbereitet, dass bestimmte Veranstaltungen wegen Corona ausfallen oder in anderer Form stattfinden würden. Deshalb haben wir uns vorzeitig Alternativen überlegt. Zum Beispiel war unsere Gäste-Tournee, bei der wir ausländische Referenten in die Schweiz einladen, um über ihre Arbeit in unseren Projekten zu berichten, von Anfang an online konzipiert. Dazu haben wir Diskussionsrunden auf Zoom organisiert.

Zur Ökumenischen Kampagne gehören auch Veranstaltungen in den Kirchgemeinden und Pfarreien. Konnten diese stattfinden?
Nur sehr eingeschränkt. Unser traditioneller Suppentag konnte aufgrund der Corona-Massnahmen nicht wie sonst in geschlossenen Räumen durchgeführt werden. Die Kirchgemeinden und Pfarreien haben aber mit viel Kreativität auf die veränderte Situation reagiert. Zum Beispiel haben einige Gemeinden Suppenlieferdienste oder «Take-Aways» eingerichtet. Andere kochten im Freien vor der Kirche Risotto.

Finanziell schmerzhaft war für Sie im vergangenen Jahr der Ausfall der Rosenaktion, bei der Freiwillige in der ganzen Schweiz Rosen verkaufen.
Glücklicherweise konnten wir unsere Rosenaktion diesmal durchführen. Es haben sich insgesamt sogar mehr Kirchgemeinden und Pfarreien als in früheren Jahren beteiligt. Weil die Corona-Situation ungewiss war, haben sie aber weniger Rosen bestellt. Wir haben deshalb zusätzlich zu den Rosen Schokolade angeboten, weil die auch zu einem späteren Zeitpunkt noch verkauft werden kann.

Gottesdienste und Messen sind nach wie vor auf 50 Personen beschränkt. Wie hat sich das auf die Kollekten für die Ökumenische Kampagne ausgewirkt?
Konkrete Zahlen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Wir rechnen aber damit, dass die Einnahmen aus den Kollekten tiefer ausfallen als in anderen Jahren. Das war bereits 2020 der Fall. Da konnte der Rückgang allerdings durch Privatspenden ausgeglichen werden. Ob das dieses Jahr auch so ist, müssen wir abwarten.

Zur Person

Mischa von Arb arbeitet als Koordinator der Ökumenischen Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer. Er war früher unter anderem in der personellen Entwicklungszusammenarbeit in Bolivien tätig.

Die diesjährige Kampagne sorgte auch medial für Aufregung. Was war der Grund?
Auslöser war unser Plakat, mit dem wir auf das globale Problem des übermässigen Fleischkonsums hinweisen wollten. Unsere Kampagne stand ja im Zeichen der Klimagerechtigkeit. Der Slogan auf dem Plakat lautete: «Weniger Fleischkonsum, mehr Regenwald». Das ist insbesondere Vertretern von Bauernorganisationen in den falschen Hals geraten. Sie sahen darin einen Angriff auf die Schweizer Landwirtschaft.

War das Ihre Intention?
Im Gegenteil. Wichtig war und ist uns der globale Kontext. Für den Anbau von Soja für industrielles Viehfutter werden jedes Jahr immense Flächen von Regenwald abgeholzt. Mit unserem Plakat wollten wir die Konsumenten dazu animieren, über ihren Fleischkonsum nachzudenken. Es geht uns darum, dass die Leute weniger und wenn möglich regionales Fleisch kaufen. Das kommt ja eben gerade der Schweizer Landwirtschaft zugute. In Gesprächen mit Vertreterinnen aus der Landwirtschaft habe ich unseren Standpunkt dargelegt. Es waren jeweils gute Gespräche, und am Ende haben wir uns meist gefunden.

Trotzdem: Haben Sie mit dem Plakat den Bogen überspannt?
In einer Kampagne müssen wir unsere Botschaft zuspitzen. Nur so entsteht eine Debatte. Und das war ja unser Ziel. Natürlich hätten wir auch schreiben können: «Essen Sie weniger importiertes Fleisch, das führt zu weniger Brandrodungen des Regenwaldes». Aber ein solcher Slogan funktioniert nicht.

Steht das Thema für die Ökumenische Kampagne 2022 schon fest?
Klimagerechtigkeit wird auch das Thema der Kampagnen in den kommenden drei Jahren sein. Im Austausch mit unseren Partnern im globalen Süden sehen wir täglich, wie wichtig es ist, auf die Auswirkungen des Klimawandels hinzuweisen. Dort sind die Menschen nun noch durch vermehrte Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme in ihrer Existenz bedroht. Das Thema ist dringlicher als je zuvor.