Fachkräftemangel
Bündner Kirche startet Nachwuchs-Offensive
Das ist auch in der Bündner Kirche nicht anders. Dort wird es zunehmend schwierig, freie Stellen mit Pfarrpersonen, Sozialdiakoninnen, Kirchenmusikern oder Behördenmitgliedern zu besetzen. Der Evangelische Grosse Rat hat deshalb im vergangenen Sommer 1,75 Millionen Franken zur Finanzierung einer Projektstelle für die Nachwuchsförderung genehmigt (ref.ch berichtete).
Problematik verschärft sich
Von einem «gravierenden Problem» spricht Kirchenratsaktuar Georg Felix auf Anfrage von ref.ch. Er ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die die Situation in der Bündner Kirche untersucht und ein Konzept zur Nachwuchsförderung erarbeitet hat. «Bereits jetzt liegt das Durchschnittsalter aller Mitarbeitenden unserer Kirche bei 54 Jahren», sagt Felix. Angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle werde sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren weiter zuspitzen, ist er überzeugt.
Die neue Projektstelle soll in den kommenden sieben Jahren eine ganze Reihe von Massnahmen umsetzen. Im Kern geht es darum, die Kirche als attraktive Arbeitgeberin stärker ins Bewusstsein zu rücken. «Die Kirche bietet sinnstiftende Tätigkeiten und zeitgemässe Arbeitsbedingungen. Doch potenzielle Mitarbeitende wissen oft kaum etwas davon», sagt Felix.
Neue Berufe schaffen
Vermehrt soll deshalb der Kontakt zu möglichen Zielgruppen wie Jugendlichen oder Quereinsteigenden gesucht werden. Dazu müssten die verschiedenen Berufsfelder in der Kirche sichtbarer gemacht werden, sagt Felix. «Beispielsweise durch das Mitwirken an Zukunftstagen der Mittelschulen, die Präsenz an Berufsmessen oder in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung».
Zudem sei geplant, das Marketing für den Quereinstieg in kirchliche Berufe zu intensivieren – etwa für Sozialdiakoninnen oder Religionslehrer. «Solche Ausbildungen existieren bereits, sie sind aber noch zu wenig bekannt», sagt Felix.
Viel Potential sieht er in der Schaffung von neuen Berufsfeldern. Als Folge des Fachkräftemangels werden in den Gemeinden bereits jetzt Personen ohne kirchliche Berufsausbildung eingesetzt. Solche Tätigkeiten etwa in der Gemeindeanimation oder der Organisation von Veranstaltungen sind jedoch nicht als eigenständige Berufsbezeichnungen ausgewiesen, sagt Felix. «Ein Eventmanager beispielsweise kommt daher gar nicht auf die Idee, in der Kirche nach einer passenden Stelle zu suchen – obwohl es eigentlich entsprechende Einsatzmöglichkeiten gäbe».
Pfarrschaft entlasten
Laut Felix gibt es viele Möglichkeiten, Fachkräfte ohne klassische kirchliche Ausbildung einzubinden – etwa in der Freiwilligenkoordination, der Seelsorge oder der Jugend- und Seniorenarbeit. Durch den Einsatz solcher Fachleute lasse sich der Fachkräftemangel zumindest teilweise abfedern. «Vorstellbar sind etwa auch Allrounder, die bestimmte pfarramtliche Aufgaben übernehmen und so zur Entlastung der Pfarrschaft beitragen», so Felix.
Die Bündner Kirche hat nun Zeit, die Massnahmen umzusetzen: Bis 2033 sollen 40 solche neuen Mitarbeitenden gewonnen werden. Die Projektstelle konnte inzwischen besetzt werden und startet per 1. Januar 2026.