EU plant neues Flüchtlingslager auf Lesbos

Die EU will 270 Millionen Euro bereitstellen, um auf der griechischen Insel Lesbos ein neues Flüchtlingscamp zu errichten. Seit dem Brand des Lagers Moria müssen die Schutzsuchenden unter desolaten Bedingungen ausharren.

Das einstige Lager Moria auf Lesbos war vergangenen September bei einem Brand völlig zerstört worden. Seither leben die Menschen in einem provisorischen Zeltlager. «Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber im kommenden Winter wird es kein solches Camp mehr geben wie derzeit», sagte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis am Montag bei einem Besuch von EU-Innenkommissarin Ylva Johansson auf Lesbos.

Die neuen, mit der EU geplanten Unterkünfte benötigten umfassende Planung, sagte Mitarakis. Die EU-Kommission habe Zeit gebraucht, um das Budget bereit zu stellen, der griechische Staat, um Pläne zu entwickeln. «Im Frühsommer beginnen die Arbeiten», versprach er.

EU-Innenkommissarin Johansson stellte klar, dass es sich bei dem neuen Auffanglager für Migranten nicht um eine geschlossene Anlage handeln werde, wie zuvor vielfach kritisiert worden war. Die Menschen dürften das Lager selbstverständlich verlassen, aber Ausgang und Rückkehr würden kontrolliert, sagte sie. Aktuell leben nach Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums rund 6500 Flüchtlinge in dem Zeltlager – bei einer Kapazität von 10’000 Plätzen.

Die EU und Griechenland hatten zugesichert, auf Lesbos und auch den anderen griechischen Flüchtlingsinseln schnell angemessene Lager zu errichten. Von der EU sollen dafür rund 270 Millionen Euro bereitgestellt werden. Johansson wird an diesem Dienstag in Athen zu weiteren Gesprächen unter anderem mit Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und Hilfsorganisationen erwartet.

Allianz will mehr Flüchtlinge aufnehmen

In der Schweiz hat derweil eine breite Allianz von Städten, Gemeinden und Menschenrechts­organisationen unter dem Hashtag #evakuierenjetzt den Bund dazu aufgefordert, seine humanitären Hilfsprogramme auszuweiten. Zahlreiche Städte, Gemeinden und Kirchgemeinden stünden bereit, um mehr Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen, teilten Vertreterinnen der Kampagne am 29. März mit (ref.ch berichtete).