Hilfswerke kritisieren Zustände in Flüchtlingscamp auf Lesbos

Das neue Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos zieht viel Kritik auf sich: Hilfswerke berichten, die Zelte seien unbeheizt, stünden zu nah am Wasser und auf verseuchtem Boden, und es fehlten Waschgelegenheiten.

Caritas-Präsident Peter Neher hat die Situation im neuen Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos als unhaltbar beschrieben. «In Moria gab es immerhin noch Waschcontainer, im neuen Camp stehen nur winteruntaugliche Zelte, die die Menschen kaum vor dem Wetter schützen», sagte er am Dienstag. Die Geflüchteten und Migranten müssten endlich menschenwürdig untergebracht werden. «Die Europäische Union darf nicht noch einmal sehenden Auges eine Katastrophe zulassen. Sie muss handeln», forderte Neher.

Fast 7'500 Menschen leben laut dem katholischen Hilfswerk Caritas international gegenwärtig in dem neuen Camp RIC Lesbos. Es wurde nach dem Brand des Lagers Moria Mitte September auf einem alten Militärgelände der griechischen Armee angelegt. Die Zelte stünden auf verseuchtem Boden, zu nahe am Meer und seien nicht isoliert und nicht beheizt, kritisierte Caritas international.

Grüne kritisieren Bundesregierung

Die Grünen fordern die Bundesregierung auf, noch vor Weihnachten eine Evakuierung der Flüchtlinge aus dem provisorischen Lager in die Wege zu leiten. «Gut 100 Tage nach dem verheerenden Brand auf Moria ist die Lage für die Geflüchteten immer noch dramatisch», sagte die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» und ergänzte: «Seit drei Monaten harren über 7'000 Menschen, davon ein Drittel Kinder, unter widrigsten Umständen auf Lesbos aus. Es ist erbärmlich, wie tatenlos die deutsche Bundesregierung zuschaut.» Sie sollte «endlich die beeindruckende Aufnahmebereitschaft deutscher Kommunen und Bundesländer» annehmen.

Caritas international stellte 365'000 Euro für Flüchtlinge in Griechenland bereit und verweist auf das benachbarte Lager Kara Tepe. Dort lebten fast 900 Geflüchtete und Migranten in festen Containern. Sie bekämen von der Caritas Hellas psychologische Unterstützung, es gebe Sprachkurse und rechtliche Hilfe. Ob das Camp, wie ursprünglich angekündigt Ende des Jahres zugunsten des neuen Lagers RIC Lesbos geschlossen wird, sei jedoch unklar. «Hier steht die Blaupause für alle anderen Camps auf den ägäischen Inseln», sagte Neher und verwies auch auf die katastrophalen Zustände in den Camps auf den Inseln Samos und Chios. «Auch dort sind die Menschen verzweifelt.» (epd/bat)