Bündner Reformierte fordern von EKS Transparenz

An der dreitägigen Pfarrsynode der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden sorgten die Vorfälle rund um den Rücktritt von Gottfried Locher für Emotionen. Auch Forderungen nach einem Rücktritt des kompletten EKS-Rats wurden laut.


Die Vorgänge in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) seien schmerzhaft für die ganze Kirche, sagte Kirchenrätin Miriam Neubert laut einer Mitteilung der Bündner Landeskirche vom 26. Juni. Tragisch sei, dass die Beschwerde wegen Grenzverletzungen fast schon in den Hintergrund gerate. Nun gelte es, die Fehler auf der Ebene der EKS aufzuarbeiten.

Die Pfarrsynode der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden fand dieses Jahr aufgrund der Corona-Krise in verkürzter Form statt. Statt wie üblich an fünf Tagen trafen sich die Bündner Pfarrpersonen lediglich vom 26. bis zum 28. Juni. Die Versammlung fand in der Comanderkirche in Chur statt.

Bei Rechnung und Budget genau hinsehen

Am ersten Tag der Synode zeichnete Kirchenrätin Miriam Neubert die Vorfälle rund um die Rücktritte von Gottfried Locher und Sabine Brändlin nach. Dass die Zuständigkeiten infolge der neuen Verfassung der EKS nicht klar gewesen und zudem Drohungen mit ins Spiel gekommen seien, erschwere die Aufarbeitung zusätzlich, sagte Neubert laut Mitteilung. Sie zeigte sich aber auch zuversichtlich, dass die EKS wieder auf die Beine komme.

Mehrere Synodale äusserten sich kritisch zu dem Thema. So drückte ein Pfarrer sein Unverständnis darüber aus, dass angesichts der «unseligen Verquickung von Rücksicht, Macht und Eitelkeit» nicht der ganze Rat zurückgetreten sei. Andere Stimmen forderten von der EKS grösstmögliche Transparenz bei der Aufarbeitung, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Des weiteren wurden die Vertreter der Bündner Landeskirche in der Synode der EKS von der Versammlung angehalten, bei Rechnung und Budget genau hinzuschauen.

Kirchenrat vervollständigt

Am zweiten Sitzungstag wählte die Versammlung Pfarrer Jens Köhre neu in den Kirchenrat. In ihrem Amt bestätigt wurde Miriam Neubert, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Nach der Wahl von Erika Cahenzli von Anfang Juni ist die Exekutive der Bündner Landeskirche damit komplett. Wer das Kirchenratspräsidium von dem zurückgetretenen Andreas Thöny übernehmen wird, entscheidet der Evangelische Grosse Rat in seiner Herbstsitzung.

Am dritten Tag nahm die Pfarrsynode schliesslich im Rahmen eines Gottesdienstes drei Pfarrerinnen und zwei Pfarrer neu in ihre Reihen auf. Die Aufnahme in die Pfarrsynode ist in der Bündner Landeskirche Voraussetzung für eine ordentliche Anstellung als Pfarrperson in einer Kirchgemeinde. (no)