Deutschland

Lichtermeer gegen Rechts am Brandenburger Tor

Zehntausende Menschen haben in Berlin gegen Rechtsextremismus und Angriffe auf die Demokratie demonstriert. EKD-Synodenpräsidentin Heinrich hat dazu aufgerufen, den «Demokratiefeinden entschieden entgegenzutreten».

Einen Monat vor der deutschen Bundestagswahl ist in Berlin mit der Kundgebung «Lichtermeer gegen den Rechtsruck» ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für Zusammenhalt gesetzt worden. Mit Parolen wie «Berlin bleibt bunt» und «Wenn die AfD die Antwort ist, wie dumm war dann die Frage» wurde bei der Kundgebung zur Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von rund 100’000, die Polizei von «grob geschätzt» 35’000 Teilnehmenden.

Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, rief bei der Kundgebung dazu auf, sich für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einzusetzen und Demokratiefeinden entschieden entgegenzutreten. Sie betonte, es dürfe nicht geschwiegen werden, wenn Menschen ausgegrenzt, angegriffen oder bedroht werden. Wenn die Demokratie attackiert werde, müsse Widerstand geleistet werden.

Heinrich forderte die Verantwortlichen in der Politik dazu auf, im Wahlkampf nicht auf Hass und Hetze zu setzen, bei der Wahrheit zu bleiben und keine Fakten zu verdrehen. Wer Anstand habe, mache keine gemeinsame Sache mit Rechtsextremen, sondern halte Abstand, «und zwar den grösstmöglichen», betonte sie.

Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer rief dazu auf, gegen Egoismus und für Solidarität einzutreten und Haltung zu zeigen. Antidemokraten müsse gezeigt werden, dass die Brandmauer gegen sie stehe, sagte sie: «Sie wollen Dunkelheit verbreiten, also machen wir das Licht an.»

Die Schriftstellerin Carolin Emcke rief dazu auf, das «Vokabular der Würde» zu verteidigen. «Wir müssen uns die Worte zurückholen», sagte sie. Es gebe «keine Hierarchie von Menschen», keine echten und unechten Bürgerinnen und Bürger oder Normale und Nicht-Normale. «Das ist faschistischer Sprech», sagte Emcke: «Wir sind die normalen Leute.»

Zu der Kundgebung hatten «Fridays for Future», die Initiative «Eltern gegen Rechts» und die Kampagnen-Organisation Campact aufgerufen. (epd/ dst)

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