Antisemitismus
Weltweit mehr antisemitische Gewalt
Laut dem Jahresbericht der Universität von Tel Aviv wurden im vergangenen Jahr 20 Juden bei vier Anschlägen auf drei Kontinenten getötet. Dies sei die höchste Zahl von Todesopfern antisemitischer Angriffe seit mehr als 30 Jahren. Gleichzeitig hätten in vielen Ländern Übergriffe wie Schläge oder Steinwürfe zugenommen.
Experte: Delikte werden oft nicht verfolgt
Insgesamt zeichnet der Bericht ein komplexes Bild: Während einige Staaten leichte Rückgänge bei der Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle verzeichneten, blieb das Niveau überall deutlich höher als vor 2022 – also vor Beginn der aktuellen Eskalation im Nahen Osten.
Diese hatte ihren Ausgang im Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 genommen. Darauf folgten der verheerende Gaza-Krieg und kriegerische Auseinandersetzungen Israels sowie der USA mit dem Iran und seinen Verbündeten in der Region.
«Die Daten lassen befürchten, dass ein hohes Mass an antisemitischen Vorfällen zur Normalität wird», warnte der Herausgeber des Berichts, Urija Schavit. Ein Grund für die Eskalation könne sein, dass kleinere Delikte zu oft nicht konsequent verfolgt würden – mit der Folge, dass schwerere Verbrechen zunähmen.
Kritik an israelischer Regierung
In der Schweiz gab es letztes Jahr rund 177 Vorfälle im Zusammenhang mit Antisemitismus, das sind knapp zwanzig Prozent weniger als 2024. Die Zahlen sind laut der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus dennoch rund drei Mal höher als vor den Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023.
Die Autoren des Berichts üben auch deutliche Kritik an der israelischen Regierung. Diese habe keinen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus geleistet und durch eine politische Ausweitung des Begriffs «Antisemitismus» dessen Bedeutung verwässert. Dies schade letztlich dem internationalen Kampf gegen Judenhass. (sda/ jow)