Krieg im Nahen Osten
Antisemitische Demonstrationen vor deutscher Kirche
Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung vor der evangelischen Kirche im süddeutschen Langenau hat der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, vor Journalisten juristische Schritte gegen die dortigen Pro-Palästina-Aktivisten gefordert. «Die Aktivisten wollen die Gemeinde, den Pfarrer und seine Familie zermürben», kritisierte er.
Seit über eineinhalb Jahren sind der Gemeindepfarrer, seine Familie und Gottesdienstbesucher Anfeindungen ausgesetzt. Diese begannen, als der Pfarrer im Oktober 2023 im Gottesdienst den Überfall der Hamas auf Israel erwähnte. Zu den Anfeindungen gehörten wöchentliche Pro-Palästina-Demonstrationen von meistens rund fünf Personen mit Plakaten sowie antisemitische Schmierereien an der Kirche. An Silvester 2023 gab den Angaben zufolge ein Unbekannter mehrere Schüsse mit einer Signalpistole auf Pfarrhaus und Gemeindehaus ab. Am vergangenen Sonntag kam es zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei ermittelt.
Der Bischof sprach sich für die Meinungsfreiheit aus, hält es aber für unzumutbar, wenn etwa auch Konfirmations- und Taufgottesdienste von Demonstranten gestört werden. Der Gottesdienst werde laut Teilnehmern zum «Spiessrutenlauf». Einzelne verzichteten deshalb auf den Kirchenbesuch. Langenau sei allerdings auf dem Gebiet der württembergischen Landeskirche «Gott sei Dank ein Einzelfall».
Bei der Auseinandersetzung vom vergangenen Sonntag soll ein 75-jähriger Demonstrant den Pfarrer der Gemeinde verunglimpft und einen 84-jährigen Gottesdienstbesucher zu Boden gestossen haben. Daraufhin ging wohl ein weiterer Mann den 75-Jährigen körperlich an, wodurch auch dieser stürzte. Dieser zweite Vorgang wurde auf einem Video in sozialen Medien verbreitet. Der 75-Jährige gilt als Drahtzieher des Protests gegen die Kirchengemeinde.
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte darauf gesagt, Antisemitismus, Schmierereien und die Belästigung des Pfarrers seien «extrem widerlich und verachtenswürdig». (epd/ dst)