Deutschland

Antisemitischer Weihnachtsmarkt

Eine evangelische Kirchgemeinde prüft, die Aussteller ihres eigenen Weihnachtsmarkts anzuzeigen. Dort wimmelte es von antiisraelischen und antisemitischen Motiven.

«Ich bin tief enttäuscht, dass das Vertrauen der Gemeinde missbraucht wurde», hat der Darmstädter Pfarrer Manfred Werner dem Evangelischen Pressedienst (epd) gesagt. «Es war eine grosse Dummheit, dass wir der Vorbereitungsgruppe vertraut haben.» Nach der Veröffentlichung antiisraelischer und antisemitischer Symbole auf ihrem Weihnachtsmarkt erwägt die Kirchengemeinde selbst Strafanzeige gegen die Aussteller.

Der Staatsanwaltschaft liegen mehrere Strafanzeigen gegen die Gemeinde vor, unter anderem von der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, dem Hessischen Antisemitismusbeauftragten und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) selbst. Auf dem «Anti-Kolonialen Friedens-Weihnachtsmarkt» der Gemeinde am dritten Adventssonntag wurden Produkte feilgeboten, die das rote Dreieck der verbotenen Terrororganisation Hamas oder den Slogan «From the river to the sea» zeigten, der die Auslöschung Israels fordert.

Pfarrer Werner betonte, einen solchen Vorfall habe es vorher nie gegeben. Die betreffenden Aussteller «machen uns alles kaputt», sagte er. Er sei für die Andacht auf dem Weihnachtsmarkt eingeladen worden, den eine Vorbereitungsgruppe organisiert hatte. Die «widerlichen» Slogans habe er nicht bemerkt. «Sonst wäre ich sofort eingeschritten», sagte er.

Nach Augenzeugenberichten und vorliegendem Bildmaterial seien «sämtliche Register gezogen worden, um Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren», hatte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Daniel Neumann, dem epd gesagt. «Es ist tragisch, dass das legitime Anliegen, auf das Leid der Palästinenser aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln, stets ein Einfallstor bietet, um Israelhass und Antisemitismus zu verbreiten.» (epd/ dst)

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