Alternativer Nobelpreis
Ehrungen für den Kampf für Frauenrechte
Das Wichtigste in Kürze
Wer erhält 2026 den Alternativen Nobelpreis?
Der Right Livelihood Award geht 2026 an die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider, die «Rural Women’s Assembly» im südlichen Afrika, die «Georgian Young Lawyers Association» sowie die KI-Forscherin Timnit Gebru. Ausgezeichnet wird ihr Einsatz für Frauenrechte, Menschenrechte, Demokratie und eine gemeinwohlorientierte künstliche Intelligenz.
Wofür werden Jalila Haider und die «Rural Women’s Assembly» geehrt?
Haider setzt sich in Pakistan für gefährdete Frauen ein und unterstützt unter anderem Witwen von Terroropfern auf dem Weg zu finanzieller Unabhängigkeit. Die «Rural Women’s Assembly» vertritt mehr als 178’000 Bäuerinnen im südlichen Afrika und kämpft für Landrechte, körperliche Selbstbestimmung sowie den Zugang zu nicht kommerzialisiertem Saatgut.
Welche Rolle spielen Menschenrechte und künstliche Intelligenz bei der Auszeichnung?
Die «Georgian Young Lawyers Association» wird für kostenlose Rechtsberatung und ihren Einsatz für Demokratie und Bürgerrechte in Georgien geehrt. Timnit Gebru erhält den Alternativen Nobelpreis für ihre Forschung zu Risiken von KI und für dezentrale, gemeinwohlorientierte Alternativen zu den Modellen grosser Techkonzerne.
Einsatz für gemeinwohlorientierte KI, Menschen- und Frauenrechte: 2026 werden vier Persönlichkeiten und Initiativen aus Afrika, Pakistan und Georgien mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, wie die Right Livelihood Stiftung in Stockholm bekanntgab.
Sie ehrt die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider, die Frauengruppe «Rural Women's Assembly» aus elf Staaten des südlichen Afrikas, die georgische Vereinigung von Menschenrechtsanwälten «Young Lawyers Association» sowie die äthiopisch-US-amerikanische Forscherin für künstliche Intelligenz (KI), Timnit Gebru.
Die 38-jährige Menschenrechtsanwältin Haider wird für ihre Arbeit zum Wohle von gefährdeten Frauen in Pakistan ausgezeichnet: Als Mitbegründerin der Organisation «Women's Democratic Front» habe sie trotz Verhaftungen und Morddrohungen hunderte Frauen vor staatlicher Verfolgung geschützt, begründete das Komitee der Right Livelihood Stiftung die Entscheidung. Dabei habe ihre Organisation über 400 Witwen, die Opfer von Terrorismus wurden, geholfen, finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.
Einsatz für Landrechte und bezahlbares Saatgut
Aus dem südlichen Afrika erhält die länderübergreifende Frauenorganisation «Rural Women's Assembly» den Preis für ihre Arbeit. Über 178’000 Bäuerinnen sind demnach Teil der Organisation, die Saatgut vervielfältigt und dieses vor der Kommerzialisierung schützt.
Die Initiative setze sich für die körperliche Selbstbestimmung der Frauen und ihre Landrechte ein. In Sambia sei durch deren Einsatz etwa ein Gesetz zum gleichberechtigten Zugang zu Land verabschiedet worden.
Ausgezeichnet wird zudem die georgische Anwaltsvereinigung «Georgian Young Lawyers Association», die Demokratie und Bürgerrechte im Kontext autokratischer Tendenzen verteidigt. Seit 1994 habe das Kollektiv mehr als 1,5 Millionen kostenlose Rechtsberatungen angeboten. Trotz des zunehmend repressiven politischen Klimas in Georgien sei der Verein im Land geblieben und unterstütze weiterhin Graswurzelbewegungen in Rechtsstreitigkeiten.
Gemeinwohlorientierte KI statt Machtmonopol
Die Technikforscherin Gebru wird für ihren Einsatz im Kampf gegen Machtkonzentrationen bei grossen Techkonzernen der künstlichen Intelligenz (KI) geehrt. Die in Äthiopien geborene Wissenschaftlerin musste das Land aufgrund des Krieges mit Eritrea verlassen.
In den USA war Gebru 2020 wegen ihrer öffentlichen Warnung vor Risiken von KI vom Google-Konzern entlassen worden und forscht seitdem zu Alternativen zu weitverbreiteten KI-Modellen. Als Gründerin des Instituts «Distributed Artificial Intelligence Research Institute» (DAIR) setzt sie einen Schwerpunkt auf dezentrale und gemeinwohlorientierte Modelle.
Der Alternative Nobelpreis wird jährlich an mutige Persönlichkeiten und Initiativen der Zivilgesellschaft verliehen. Zur Höhe des Preisgeldes machte die Stiftung keine Angaben. Offiziell heisst die Auszeichnung «Right Livelihood Award», übersetzt etwa «Preis für die richtige Lebensweise». Der Preis wurde 1980 von dem deutsch-schwedischen Philatelisten und Publizisten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen und wird durch Spenden finanziert. (epd/ dst)