Menschenrechte

Alternativer Nobelpreis geht erstmals nach Kamerun

Mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis legt die Right-Livelihood-Stiftung in diesem Jahr besonderes Augenmerk auf den Umwelt- und Klimaschutz. Geehrt wird zudem das Engagement für die Rechte von Frauen und Mädchen sowie indigener Volksgruppen.

Mit dem Alternativen Nobelpreis werden in diesem Jahr Aktivistinnen und Aktivisten aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien ausgezeichnet. Das gab die Right-Livelihood-Stiftung am Mittwochmorgen in Stockholm bekannt. «Angesichts eskalierender Klima- und Umweltkrisen, Gewalt und eklatanter Menschenrechtsverletzungen engagieren sie sich erfolgreich für eine bessere Zukunft und mobilisieren ganze Gemeinschaften, ihre Rechte einzufordern», erklärte der Direktor der Stiftung, Ole von Uexküll. Die Geehrten erhalten jeweils ein Preisgeld von einer Million schwedische Kronen (etwa 106'000 Franken).

Erstmals geht die Auszeichnung nach Kamerun: Dort kämpft die Friedens- und Genderaktivistin Marthe Wandou gegen Kinderehen sowie sexualisierte Gewalt, vor allem an Mädchen. Mit ihrer im Jahr 1998 gegründeten Organisation Aldepa setzt sich die 57-Jährige für Bildung und die Bewältigung psychischer Traumata infolge von Krisen und Konflikten ein. Nach Angaben der Stockholmer Stiftung kam Wandous Engagement bislang mehr als 50'000 Mädchen zugute. Zu ihren Schützlingen gehören auch Menschen, die vor der Gewalt der islamistischen Terrormiliz Boko Haram geflüchtet sind.

Kampf gegen fossile Brennstoffe und Atomkraft

Der 48-jährige Wladimir Sliwjak zählt laut von Uexküll zu den profiliertesten Umweltschützern Russlands. Trotz staatlicher Repressionen wehrt sich der Co-Vorsitzende und Mitbegründer der Organisation Ecodefense gegen die Förderung fossiler Brennstoffe und Atomkraft und kämpft für die Nutzung erneuerbarer Energien. Ecodefense war die erste russische Umweltorganisation, die im Jahr 2013 eine Kampagne gegen den Kohleabbau in Russland begann – es folgten ähnliche Proteste in anderen Landesteilen.

Geehrt wird auch die Aktivistin Freda Huson aus Kanada. Als führende Vertreterin der indigenen Wet'suwet'en-Bevölkerung in der Provinz British Columbia engagiert sich die 57-Jährige für deren Landrechte sowie das Recht auf Bewahrung ihres kulturellen Erbes. Seit elf Jahren ist Huson Koordinatorin des «Unist'ot'en»-Camps, von wo aus der Protest gegen den Bau einer Gas-Pipeline organisiert wird. Bei einer Polizeirazzia im Februar 2020 wurden etliche Personen verhaftet, darunter Huson. Laut Stiftung gehört zum Camp auch ein Zentrum, das sich um die Heilung kolonialer Traumata bemüht.

Unterstützung von Indigenen

Die von den indischen Anwälten Ritwick Dutta und Rahul Choudhary gegründete «Legal Initiative for Forest and Environment» (Life) wird für ihr Umweltengagement ausgezeichnet. Die Organisation unterstützt Menschen, unter anderem indigene Volksgruppen, im Kampf gegen die Zerstörung ihrer Naturressourcen sowie gegen die Verschmutzung von Luft und Gewässern. Mithilfe der Organisation wehrten sich Bewohner im ostindischen Bundesstaat Odisha gegen ein Bauxit-Projekt eines britischen Konzerns. Im April 2013 entschied Indiens oberstes Gericht, das Projekt dürfe nicht gegen den Willen der Bevölkerung betrieben werden.

Für den diesjährigen Alternativen Nobelpreis gab es 206 Nominierungen aus 89 Ländern, laut Stiftung ein Rekord. Der Preis wird am 1. Dezember in Stockholm verliehen. (epd/mos)