113 Millionen Menschen mussten 2018 hungern

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Hungernden infolge akuter Krisen leicht zurück. Doch das Ausmass der Not blieb gross, wie ein Bericht zeigt.


Über 113 Millionen Menschen haben 2018 infolge akuter Krisen Hunger gelitten. Die schlimmsten Krisen ereigneten sich im Jemen, der Demokratischen Republik Kongo und Afghanistan. Dies geht aus einer in Brüssel vorgestellten Studie hervor, die unter anderen vom Welternährungsprogramm (WFP) und der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) erstellt wurde. Dahinter folgten Äthiopien, Syrien, Sudan und Südsudan sowie das nördliche Nigeria.

Gegenüber 2017 mit 124 Millionen Hungernden gab es eine geringe Verbesserung. Diese ging nach Meinung der Autoren vor allem auf schwankende Auswirkungen des Klimawandels zurück. Demnach hatten Dürren, Überflutungen, unberechenbare Niederschläge und Temperaturanstieg 2017 noch extremere Folgen als 2018. Auch im vergangenen Jahr blieben Klimawandel und Naturkatastrophen allerdings die zweitwichtigste Ursache für Nahrungsmittelkrisen.

Deren Hauptursache seien auch 2018 wieder Konflikte und Unsicherheit gewesen, schreiben die Autoren. Darüber hinaus hätten für über zehn Millionen Menschen wirtschaftliche Talfahrten zu akuter Nahrungsmittelunsicherheit geführt.

Eine halbe Million unterernährter Kinder

Besorgniserregend bleiben die hohen Zahlen unterernährter Kinder. Im Jemen beispielsweise hätten Angriffe und ausstehende Gehälter zur Schliessung von mehr als der Hälfte der medizinischen Einrichtungen geführt. Die meisten der 500’000 akut unterernährten Kinder könnten dort deshalb nicht mehr behandelt werden.

Vor diesem Hintergrund erinnerte UN-Generalsekretär António Guterres an eine Resolution des UN-Sicherheitsrates vom vergangenen Jahr, die das Aushungern als Kriegswaffe verurteilt. «Wir wollen uns alle engagieren, Gesellschaften ohne Hunger und eine friedliche Welt aufzubauen», sagte Guterres in einer Videobotschaft an die Brüsseler Konferenz.

Wahl zwischen Demokratie und Stabilität

Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman wies auf den Zusammenhang von Regierungsführung und Hunger hin. Immer wieder hätten tyrannische Regime die Menschen vor eine vermeintliche Wahl zwischen Demokratie und Stabilität gestellt, auch in ihrem eigenen Land, sagte die junge Frau aus dem Jemen, die 2011 wegen ihres gewaltlosen Kampfs für Frauenrechte mit dem Nobelpreis geehrt wurde. «Aber wir sagen, dass Demokratie, Stabilität und Nahrungsmittelsicherheit eng verbunden sind.»

Nicolas Bricas vom französischen Forschungsinstitut Cirad wies auf ein Paradox hin. Die weltweit verfügbare Menge an Nahrung übersteige heute bei weitem die Bedürfnisse der Menschheit. Zugleich sei die Zahl der unterernährten Menschen zwar eine Zeit lang kontinuierlich zurückgegangen. Diese Entwicklung könne jedoch wieder umschlagen.

Mehr Macht für Frauen als Lösung

An Massnahmen gegen den Hunger nennt der Report zuallererst das Beenden von Konflikten. Ausserdem sollten Frauen mehr Macht erhalten, Kinder unterrichtet, die ländliche Infrastruktur verbessert und soziale Netze verstärkt werden. Auch moderne Technologie spiele eine Rolle, heisst es in dem Bericht. FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva sagte: «Hunger ist nicht etwas, was man nur mit Nahrung bekämpft. Das Grundlegende, um Hunger zu bekämpfen, ist der politische Wille, den Hunger auszurotten.» (epd/bat)