124 Millionen Menschen weltweit leiden unter Hunger

Die Welthungerhilfe kritisierte, dass der Hunger und seine Ursachen nicht angemessen bekämpft werden. Die Lage habe sich verschlimmert.


Die Zahl der Menschen, die weltweit unter akutem Hunger leiden, ist deutlich angestigen. Vor zwei Jahren habe der Welthunger-Index 80 Millionen Hungernde verzeichnet, heute seien es etwa 124 Millionen, heisst es im neusten Welthunger-Index, den die Deutsche Welthungerhilfe am 11. Oktober vorgestellt hat.

Besonders stark seien nach wie vor Kinder von den Auswirkungen von Hunger und Unterernährung betroffen: Rund 151 Millionen Mädchen und Jungen weltweit wiesen Wachstumsverzögerungen auf, 51 Millionen litten unter Auszehrung.

Die Lage ist ernst

Trotz Fortschritten bei der Bekämpfung von Hunger seit der Jahrtausendwende seien die Hungerwerte in 51 der 119 untersuchten Ländern der Erde ernst oder sehr ernst und in einem Land, der Zentralafrikanischen Republik, gravierend. Hart erkämpfte Errungenschaften der vergangenen Jahre drohten durch Konflikte, Klimawandel, schlechte Regierungsführung und eine Vielzahl anderer Probleme wieder verloren zu gehen, kritisiert der Bericht.

Laut dem Index weisen 45 Länder ernste Hungerwerte auf, darunter die Mehrheit der afrikanischen Staaten und Staaten in Südostasien wie Afghanistan, Pakistan, Myanmar, Nordkorea oder Indien. Als «sehr ernst» wird die Lage in sechs Ländern eingestuft, darunter der Tschad, Haiti und der Jemen.

Für einige Länder lagen nicht alle notwendigen Daten vor, aber sie wiesen wie Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Libyen, Somalia, Südsudan und Syrien besorgniserregende Hunger- und Unterernährungssituationen auf.

15 Jahre, um den Hunger zu bekämpfen

In die Berechnung des Welthunger-Index fliessen den Angaben zufolge die vier Indikatoren Unterernährung, Auszehrung bei Kindern, Wachstumsverzögerungen bei Kindern und Kindersterblichkeit ein. Auf einer 100-Punkte-Skala ist 0 (kein Hunger) der beste und 100 der schlechteste Wert. Der weltweite Durchschnittswert ist seit dem Jahr 2000 von 29,9 auf derzeit 20,9 Punkte gesunken. Westeuropa, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland werden als reiche Länder nicht in den Index miteinbezogen.

Die Welthungerhilfe kritisierte, dass die Ursachen und komplexen Einflussfaktoren von Hunger nicht in angemessener Weise angegangen werden. Im Jahr 2015 hätten sich die Länder der Welt auf das Ziel «Zero Hunger bis 2030» verpflichtet. «Doch wenn wir so weitermachen, verfehlen wir dieses Ziel», heisst es. (epd/pd)