Zerstörerischer Brand
Als am 23. Mai 1943 rund 1000 Personen in Thalwil den Gottesdienst besuchten, standen sie vor einer Ruine. Das Dach der reformierten Kirche, die Turmspitze, die Orgel, die Glocken – alles war vier Tage zuvor den Flammen zum Opfer gefallen.
Mit Glockengeläut hat die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Thalwil in diesem Sommer an das Ereignis erinnert. Die Zürichsee-Zeitung hat den Ablauf des Unglücks in einem Artikel rekonstruiert. Auslöser des verheerenden Brandes waren Schweissarbeiten an der defekten Kuppel. Als das darunterliegende Holz Feuer fing, sorgten eine kräftige Bise und das Holzgerüst um den Turm dafür, dass sich die Flammen schnell ausbreiteten. Die Feuerwehr war machtlos.
Zwei Stunden nach Brandausbruch stürzte das gesamte Holzdach ein. Eine gewaltige Rauchsäule stieg in den Himmel, die beiden Glocken lösten sich vom Turm und fielen zu Boden. Bevor der Brand auch das Innere der Kirche verwüstete, konnten Feuerwehrleute gerade noch das Gemeindearchiv retten und den Taufstein ins Freie tragen.
Es dauerte drei Tage, bis die Feuerwehr das Feuer komplett gelöscht hatte. Am vierten Tag nach dem Brand fand der Gottesdienst im Freien statt. Pfarrer Willy Keller taufte dabei vier Kinder. Der Wiederaufbau der Kirche, die ursprünglich 1847 errichtet wurde und heute unter Denkmalschutz steht, dauerte drei Jahre. Am Palmsonntag 1946 wurde sie eingeweiht – inklusive neuer Turmspitze aus Beton. Der originale Taufstein hingegen ist heute noch im Einsatz.