Weltbekannter Maler
Eine der grossen Kunstattraktionen der Stadt Zürich hat dieser freundlich lächelnde Herr im Anzug mit Hut geschaffen (links im Bild). Es ist kein Geringerer als Marc Chagall. Zur Präsentation seiner fünf prächtigen Glasfenster im Fraumünster am 5. September 1970 gab der französisch-weissrussische Maler vor der Kirche Autogramme.
In historischen Bildern greift die Redaktion Momente der Zeitgeschichte auf, die in der reformierten Landschaft Relevanz haben. Die Texte in der Rubrik «Zeitzeuge» erscheinen in loser Folge. (red)
Den damals bereits über Achtzigjährigen für das Projekt zu gewinnen, war nicht ganz einfach gewesen. Zum einen konnten die Zürcher Auftraggeber dem weltberühmten Künstler nur ein bescheidenes Honorar anbieten, das vom Unternehmer-Ehepaar Lou und Heinrich Hatt-Bucher gestiftet wurde. Zum anderen wollte Chagall, der Jude war, zunächst mit seinem Rabbiner Rücksprache halten. Schliesslich willigte er ein und legte ein paar Monate später die ersten Entwürfe vor.
Zu seinem Arbeitsplatz machte Chagall das Nobelhotel Baur au Lac, wo er die Spannteppiche seiner Suite regelmässig mit Farbspritzern ruinierte. Bei der Schau im Fraumünster bildete sich laut Medienberichten eine lange Menschenschlange vor dem Eingang, dermassen gross war das Interesse. Heute sind die Chagall-Fenster so populär, dass sich die Kirchenleitung unlängst veranlasst sah, Massnahmen gegen den Besucherandrang zu ergreifen: Wer die wunderbare Leuchtkraft der Glasgemälde mit den biblischen Motiven bestaunen will, muss einen Fünfliber zahlen.