Seenotrettung
Seit zehn Jahren retten sie Flüchtlinge aus dem Meer
Die Schiffe ziviler Seenotretter haben nach eigenen Angaben seit 2015 mehr als 175’000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Im selben Zeitraum habe eine knappe Million Flüchtlinge über das Mittelmeer Italien erreicht, teilten die Organisationen United4Rescue, Sea-Watch, Sea-Eye und SOS Humanity anlässlich des zehnjährigen Bestehens ihrer Rettungseinsätze mit.
Mindestens 27’000 Menschen seien seit 2015 auf dem Meer ums Leben gekommen oder verschwunden, sagte Mirka Schäfer von der Organisation SOS Humanity. Rund 22’000 Todesfälle seien allein im zentralen Mittelmeer zwischen Libyen, Tunesien und Italien registriert worden. «Die Dunkelziffer ist aber hoch», sagte sie.
Im Durchschnitt hätten seit 2015 täglich sechs Menschen ihr Leben auf dem Weg über das Meer verloren oder gälten als vermisst. Wegen der wachsenden politischen und bürokratischen Schikanen gegen die zivilen Seenotretter steige die Todesrate seit 2022 wieder an, beklagte Schäfer.
Europäische Staaten und die EU setzten weiterhin auf Abschottung und missachteten dabei internationales Recht. Italien habe seit Januar 2023 in 28 Fällen zivile Rettungsschiffe festgesetzt. Die dadurch verlorenen Einsatzstunden summierten sich auf mehr als 760 Tage.
Finanziert werden die zivilen Rettungseinsätze vor allem durch private Spenden. Unter den Spendern seien Unternehmen wie Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's und Fritz-Cola, wie Sandra Bils von der Organisation United4Rescue sagte. Die evangelische Theologin sprach von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis engagierter Menschen und mehr als 900 Organisationen, die «dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen wollen». Sie wandte sich auch gegen eine Kriminalisierung von Seenotrettung: «Unsere gemeinsame Solidarität ist kein Verbrechen, das Sterben auf See ist ein Verbrechen.»
Die Gründung von United4Rescue geht auf eine Resolution beim Evangelischen Kirchentag im Juni 2019 zurück, ein Rettungsschiff der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ins Mittelmeer zu entsenden. Seitdem hat die Organisation massgeblich den Kauf von Rettungsschiffen unterstützt. (epd/ dst)