Gesundheitskosten

Wirtschaftsprofessor macht brisanten Vorschlag

Anlässlich der angekündigten Prämienerhöhungen äussert sich der Gesundheitsökonom Tilman Slembeck zum Schweizer Gesundheitssystem. Unter anderem stellt er zur Diskussion, dass Menschen tiefere Prämien zahlen könnten, die auf lebensverlängernde Massnahmen verzichten möchten.

Drei Faktoren würden die Gesundheitskosten in die Höhe treiben, sagt Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW): Die alternde Gesellschaft, der medizinisch-technische Fortschritt und die Anspruchshaltung der Patienten – «Wer jahrelang Prämien zahlt, fordert auch die maximale Leistung ein, wenn er sie braucht», sagt er im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

Das Schweizer Gesundheitssystem charakterisiert der Gesundheitsökonom als «Selbstbedienungsladen» für Fachärzte, Spitäler und die Pharmabranche. Denn: «Die Leute bezahlen ihre Prämien weiterhin, und über ein Drittel der einkommensschwächeren Haushalte entlastet der Staat mit Prämienvergünstigungen in Milliardenhöhe.» Gerade mit den Pharmafirmen müsse der Bund harte Preisverhandlungen führen.

Als er nach der Sinnhaftigkeit von lebensverlängernden Behandlungen gefragt wird, die von der Grundversicherung übernommen werden, sagt Slembeck, eine Rationierung solcher Behandlungen aus Kostengründen sei in der Schweiz «kaum möglich».

Hingegen stellt er einen anderen Vorschlag in den Raum: «Man könnte ein Modell schaffen, bei dem Versicherte freiwillig auf lebensverlängernde Therapien am Lebensende verzichten und im Gegenzug von günstigeren Prämien profitieren.» Er nennt dies «Selbstrationierung» und hält diese für «grundsätzlich machbar». (dst)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema