Fachkräftemangel in der reformierten Kirche
Trotz Kritik: «Plan P» wird weiterverfolgt
In den reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz sind rund 109 Pfarrstellen vakant, das belegen Zahlen aus dem Dezember 2024 (ref.ch berichtete). Die Personalsituation ist angespannt. Um dem entgegenzuwirken, hatte das interkantonale Ausbildungskonkordat im vergangenen November eine Idee präsentiert.
Der sogenannte «Plan P» sieht vor, dass Akademikerinnen und Akademiker ab 55 Jahren eine Kurzausbildung absolvieren und anschliessend eine Pfarrstelle übernehmen können. Dies jedoch für maximal zehn Jahre und ohne die Möglichkeit, ordiniert oder gewählt zu werden.
In einem Interview mit ref.ch sagte Thomas Schaufelberger, Leiter Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer, der «Plan P» komme nur zum Einsatz, wenn das Konkordat aufgrund der Vakanzen eine Notlage ausrufe.
Zustimmung vorhanden
Die Idee einer Kurzausbildung – ursprünglich war ein dreimonatiges Einstiegsmodul vorgesehen – rief Kritik von verschiedenen Seiten hervor. Im Rahmen einer Vernehmlassung haben nun laut einer Mitteilung des Konkordats 28 Kantonalkirchen, Partnerinstitutionen, die Theologischen Fakultäten Zürich und Basel, Studierendenorganisationen und Pfarrkapitel Stellung genommen.
Bereits während der Vernehmlassung kristallisierte sich heraus, dass der Notfallplan im Wesentlichen auf Zustimmung stösst. Esther Straub, Präsidentin der Konkordatskonferenz und Zürcher Kirchenratspräsidentin, sagte im Rahmen eines Streitgesprächs, die Mehrheit der Kantonalkirchen trage den «Plan P» grundsätzlich mit.
Nun teilt die Konferenz mit, von den 17 Konkordatskirchen hätten zehn den Plan unterstützt und sieben ihre Vorbehalte geäussert. Kritik und Vorbehalte sind in den Vorschlag eingeflossen, der an der Sitzung der Konkordatskonferenz Mitte Juni diskutiert wurde und nun weiterverfolgt wird.
Ausbildung verlängern
Überarbeitet wurde beim «Plan P» die Dauer der Ausbildung. Die Konkordatskonferenz spricht von einer «stärkeren theologischen Fundierung». Konkret bedeutet das, dass die sogenannten «Plan P»-Leute anstelle des dreimonatigen Einstiegsmoduls ein Kurzstudium leisten und dabei 60 ECTS-Punkte sammeln müssen. Gemeinhin rechnet man mit einem Studienjahr im Vollzeitstudium, um diese Anzahl Punkte zu erwerben.
«Nach einem Studiensemester soll der Berufseinstieg als Pfarrvikarin oder Pfarrvikar möglich sein», heisst es in der Mitteilung. Es würden weitere Studienblöcke folgen und eine «intensive supervisorische Begleitung» stattfinden. Die Vikarinnen und Vikare werden nicht ordiniert.
Die überarbeitete Vorlage wird laut Mitteilung im kommenden November von der Konkordatskonferenz in der ersten Lesung behandelt werden. Im folgenden Juni ist die Beschlussfassung vorgesehen, worauf der Konkordatsvertrag angepasst werden müsste.
Frühestens ab 2027 könnte die Konkordatskonferenz den Notfallplan aktivieren – vorausgesetzt, der Pfarrmangel hat sich bis dahin entsprechend verschärft. Das ist allerdings zu befürchten: Die Pfarrstellenstatistik der Werbekommission Theologiestudium und Pfarrberuf weist vonn 2027-2029 die Höchstwerte an Pensionierungen aus. Jährlich sollen dann knapp über 100 Pfarrpersonen in den Ruhestand gehen. Für 2025 rechnet man mit 88 Pensionierungen.