Fachkräftemangel in der Reformierten Kirche
Quest-Netzwerk schlägt Alternative zu «Plan P» vor
Die Quersteinsteigerinnen und -einsteiger in den Pfarrberuf halten den Notfallplan der Konkordatskirchen für ungeeignet, um das Problem des Pfarrmangels zu lösen. Der sogenannte «Plan P» befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Er sieht vor, dass geeignete Akademikerinnen und Akademiker, die älter sind als 55-jährig, nach einer kurzen Ausbildung ein Pfarramt übernehmen könnten. Sie würden nicht gewählt werden und könnten maximal zehn Jahre lang in dieser Funktion arbeiten.
Es fällt den Kirchgemeinden schwer, vakante Pfarrstellen zu besetzen (siehe Box) und der Notfallplan soll die Situation verbessern.
Der Verein Quest-Netzwerk meint, der Erfolg des «Plan P»-Konzepts sei fraglich. Auf Anfrage von ref.ch sagt Co-Vereinspräsidentin Susanne Amsler: «Damit die Kirche christliche Werte und Ethik in die gesellschaftspolitischen Diskurse einbringen kann, benötigt sie professionelles Personal mit fundierten theologischen Kenntnissen.» Das Pfarramt umfasse ein breites Spektrum an Aufgaben. Gerade für die zentralen Aufgaben wie unter anderem Predigt, Seelsorge und Gemeindeleitung sei eine fundierte Ausbildung unabdingbar.
Als «Morgengast» bei SRF1 hat Thomas Schaufelberger, Aus- und Weiterbildung Deutschschweiz, über den «Plan P» gesprochen. Er sagte, es bestehe im Grunde bereits eine Notfallsituation, weil mehrere Kirchgemeinden seit mindestens zwei Jahren eine Pfarrperson suchten und keine fänden. Im Zusammenhang mit dem «Plan P» betonte Schaufelberger, dass man die Personen in einem «sehr harten Auswahlverfahren» auswählen würde. Nach einer kurzen Ausbildung würden sie «mit einer sehr intensiven Begleitung» für ein paar Jahre zugelassen.
Der Pfarrmangel wird in den nächsten Jahren nicht von selbst zurückgehen. Schaufelberger sagte im Gespräch mit SRF1, trotz des berechneten Mitgliederschwunds würde sich aufgrund der Pensionierungen «eine riesige Lücke von 200 bis 300 Pfarrpersonen» auftun. «Im Moment wissen wir nicht, wo wir sie hernehmen sollen», sagte er im Radio.
Angesprochen auf die Kritik am Notfallplan betonte er, dass an der akademisch-theologischen Ausbildung von Pfarrpersonen festgehalten werde: «Das ist keine Diskussion.» Aber bevor man am Ende «alle möglichen Personen zulässt, die gar nicht qualifiziert sind», sei es gescheiter, wenn die Landeskirchen gemeinsam eine Notfalllösung finden würden. So könne man die hohen Standards des Pfarrberufs halten. (dst)
Co-Präsident Philipp Schultheiss bedauert, dass die Kirchen nicht einen «breiteren Massnahmenplan» ausgearbeitet hätten, der das Potenzial von Theologiestudierenden und ordinierten Pfarrpersonen nutze.
Alternative Vorschläge
Der Verein schlägt verschiedene Massnahmen vor, die er für zielführender hält als den «Plan P». Quest-Studierende könnten während des Studiums ins Pfarramt einsteigen. Sie würden vom Verdienst profitieren, weil es vielen schwerfalle, das Studium zu finanzieren (ref.ch berichtete).
Mehr Personen könnten sich nach Ansicht des Vereins für das Quest-Studium entscheiden, wenn sie finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen, Lehrveranstaltungen vermehrt online besucht und individuell Kurse erlassen werden könnten.
Das Netzwerk regt auch an, ältere Studierende an der theologischen Fakultät, Pfarrpersonen, die nicht in Vollzeit oder nicht mehr im Pfarramt arbeiten, für den Gemeindedienst zu gewinnen.
Um den Beruf attraktiver zu machen schlägt der Verein schliesslich vor, die Pfarrpersonen von Tätigkeiten zu entlasten, die nicht zu den Kernaufgaben gehören – wie etwa Administration.