Nachruf auf Stephan Landis

Seine Stimme wird nachhallen

Der reformierte Pfarrer Stephan Landis ist tot. Tania Oldenhage erinnert in einem Nachruf an ihren Pfarrkollegen, der für theologische Weite und Vielfalt plädierte.

Stephan Landis hat in der kirchlichen Landschaft viele segensreiche Spuren hinterlassen. In seinen letzten Berufsjahren war er Pfarrer in Zürich-Fluntern und begleitete uns durch die Jahre der Strukturreform.

Als Altphilologe und Shakespeare-Liebhaber konnte er leicht mit einem Gelehrten alter Schule verwechselt werden. Dabei war die Art und Weise, wie sich Stephan Landis als Theologe in die Gemeinschaft einbrachte, mutig und zukunftsweisend. «Die Malve blüht, wo sie will,» heisst es in einer seiner unvergesslichen Predigten.

Stephan Landis ging offen mit seiner Erkrankung um. (Bild: Michel Gilgen)

Darin hinterfragte Stephan Landis die reformierte Engführung auf verbindliche Grundsätze und plädierte stattdessen für theologische Weite und Vielfalt. Leidenschaftlich sprach er vom «Unkraut», das ihm so viel lieber war als «sorgfältig gezüchtete Edelblumen». Die Predigt trägt den Titel «Religion light» und ist nachzulesen im Predigtband Anderswohin. 13 Dienstreisen durch die Bibel (TVZ 2019). 

Auf der Suche nach dem, was den Erdboden lockern kann, wurde Stephan Landis vor allem in der englischsprachigen Poesie fündig. Er steckte uns an mit seiner Begeisterung für William Blake, Emily Dickinson oder Gerard Manley Hopkins.

Niemals benutzte er die Poesie, um eine theologische Pointe zu machen. Stattdessen glaubte er an die tiefe Verwandtschaft von Poesie und Religion. In einer von Reformzwängen und Fahrplänen geprägten Zeit stand Stephan Landis jeden Tag für theologische Sorgfalt ein.

«Wir ändern uns, Gott ändert sich nicht» hatte ich einmal in einer Predigt gesagt. Bist du dir sicher, fragte er mich hinterher. Auf diese Weise teilte Stephan Landis mit uns seine Skepsis gegenüber theologischen Phrasen und klischeehaften Glaubensätzen. 

Mutig war schliesslich sein offener Umgang mit der Krankheit, die ihm allmählich die Worte wegnahm und ihn dazu zwang, das Pfarramt zu verlassen. Im September 2019 wurde Stephan Landis in einer voll besetzten Kirche von einer Gemeinde verabschiedet, die mit grosser Dankbarkeit auf die Zeit mit ihm zurückblickte.

Am 6. März 2025 ist Stephan Landis gestorben. Man hätte es der Reformierten Kirche Zürich gewünscht, dass Stephan Landis noch viele Jahre als Pfarrer hätte wirken können.

Für diejenigen, die das Glück hatten, mit ihm ein Stück unterwegs zu sein, wird seine Stimme noch lange nachhallen. 

Redaktionelle Anmerkung: Stephan Landis arbeitete von Mai 2002 bis April 2013 für die «Reformierten Medien». Von 2002 bis 2007 war er Redaktor und von 2007 bis 2013 Co-Chefredaktor der «Reformierten Presse», der Vorgängerzeitschrift des «bref».

Tania Oldenhage ist reformierte Pfarrerin in Zürich und Privatdozentin an der Universität Basel. In Zürich-Fluntern hat sie mit Stephan Landis im Pfarramt zusammengearbeitet.

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