Massaker in Kiew

Täter-Namen bei Gedenkstätte veröffentlicht

Bis zur Befreiung durch die Rote Armee wurden in Babyn Jar in Kiew rund 100’000 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet. Nun wurden 159 Namen von Tätern veröffentlicht.

80 Jahre nach dem Massaker an Juden in Kiew hat die Babyn-Jar-Gedenkstätte eine erste Liste mit 159 Beteiligten an dem von Deutschen in der Ukraine verübten Verbrechen veröffentlicht. «Einige waren Schützen, andere holten die Juden aus ihren Häusern, andere nahmen ihre Habseligkeiten und ihr Gepäck», sagte der Leiter des akademischen Beirats der Holocaust-Gedenkstätte, Patrick Desbois.

Die Täter seien aus ganz Deutschland und anderen von Hitler-Deutschland besetzten Ländern gekommen. Nur einige Offiziere wurden der Gedenkstätte zufolge nach Ende des Zweiten Weltkriegs verurteilt. «Die grosse Mehrzahl kehrte zu einem normalen Leben nach dem Krieg zurück», hiess es in der Mitteilung. Historiker vermuten, dass niemand der Beteiligten mehr am Leben ist.

Am 29. und 30. September 1941 erschossen deutsche Einsatzgruppen aus Wehrmacht, Polizisten und SS-Männern 33'771 jüdische Bewohner des besetzten Kiews. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee im November 1943 wurden in Babyn Jar (Altweiberschlucht) rund 100'000 Menschen ermordet, darunter Kriegsgefangene, Partisanen, Roma und geistig Kranke. Die Schlucht gilt als das grösste Massengrab in Europa.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reist an diesem Mittwoch zur offiziellen Gedenkzeremonie zum 80. Jahrestag von Babyn Jar in die Ukraine. Dabei besucht er die Stadt Korjukiwka in der Nordukraine. Dort wurden bei der grössten und brutalsten «Strafaktion» des Zweiten Weltkrieges durch die Deutschen 1943 knapp 7000 Menschen ermordet. (sda/bat)