Organisationen legen Konzept für Holocaust-Denkmal vor

Die Initianten, die in der Schweiz eine Gedenkstätte für Nazi-Opfer errichten wollen, nehmen eine weitere Hürde: Nun wurde dem Bundesrat ein Konzept vorgelegt. Das Projekt soll zum kritischen Nachdenken anregen.

In der Schweiz soll ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus entstehen. Fünf Organisationen haben am 25. Mai dem Bundesrat ein Konzept dafür eingereicht. Rund 150 Erstunterzeichnende und rund 30 Organisationen unterstützen das Anliegen. Die Gedenkstätte soll ein Vermittlungs- und Vernetzungsort werden.

Insbesondere die nächste Generation soll zum kritischen Nachdenken über Ausgrenzung und Vorurteile gebracht werden, wie die Initianten nach der Übergabe im Beisein von zwei Zeitzeuginnen mitteilten. Über 1000 Menschen mit einem Bezug zur Schweiz erlitten die Schrecken der Konzentrationslager, mehr als 200 von ihnen wurden dort getötet.

Mit fortschreitender Zeit sterben die Zeuginnen der Gräueltaten aus. Umso wichtiger ist es für die Initianten, dass 75 Jahre nach Kriegsende auch die Schweiz mit dem «Schweizer Memorial» einen Ort der Erinnerung an die Opfer und des Diskurses erhält. Auch der Schweizerinnen, die sich dem Regime entgegenstellten oder den Verfolgten halfen, soll gedacht werden.

Bewusstseinsbildung über Ausgrenzung

Ergänzt werden soll das Memorial durch ein Bildungsangebot. Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus sowie Solidarität und Zivilcourage soll zur Bewusstseinsbildung beitragen.

Ralph Lewin, der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, erklärte gemäss Communiqué, das dem Bundesrat überreichte Konzept blicke nicht allein in die Vergangenheit, sondern weise in die Zukunft. Es soll für die zentralen Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte sensibilisieren.

Breite Unterstützung

150 Persönlichkeiten wie alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, der Schriftsteller Pedro Lenz oder der Filmemacher Markus Imhoof («Das Boot ist voll» über die Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg) unterstützen das Projekt.

Unterstützung findet der Plan auch bei letzten Überlebenden, so etwa bei Vera Rottenberg. Eine andere Mitunterzeichnerin ist Ursula Zellweger. Ihr Vater, Albert Mülli, hatte politische Flugblätter von Zürich nach Wien geschmuggelt. Er wurde von der Gestapo verhaftet und später ins Konzentrationslager Dachau bei München verschleppt. Die Schweizer Behörden sprachen nach der Befreiung und Rückkehr von Albert Mülli von einem «grossen Selbstverschulden».

Das Konzept für ein «Schweizer Memorial» stammt von der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz, dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), Vertretern der Wissenschaft (Universität Basel, Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich) sowie der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Zwei Motionen im Parlament von SVP und SP fordern ebenfalls einen offiziellen Erinnerungsort. (sda/bat)