Fürsorgerische Zwangsmassnahmen

Stadt Zürich entschuldigt sich bei Betroffenen

Der Zürcher Stadtrat hat sich bei den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen entschuldigt. Die Rolle der Stadt Zürich wird ausserdem aufgearbeitet.

Nun stellt sich auch die Stadt Zürich diesem düsteren Kapitel. In einer Medienmitteilung des Stadtrats heisst es, auch die Behörden der Stadt Zürich hätten im Zusammenhang mit fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 Unrecht getan.

Wenn Behörden jemanden als «liederlich» oder «arbeitsscheu» einstuften, konnten sie veranlassen, die Person zu entmündigen oder zu sterilisieren. Andere wurden in Arbeitsanstalten oder psychiatrische Kliniken eingewiesen. Kinder und Jugendliche konnten in Heime gesperrt oder fremdplatziert werden. Häufig mussten sie als billige Arbeitskräfte schuften. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war dies eine gängige Praxis in der Schweiz.

Entschuldigung und 25'000 Franken

Der Stadtrat entschuldigt sich bei den Opfern der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen. Gleichzeitig kündigt er eine Forschungsarbeit an, die in den kommenden Jahren die Rolle der Zürcher Behörden beleuchten soll. Den Personen, die Opfer dieser Massnahmen wurden, bezahlt die Stadt einen Solidaritätsbeitrag von 25'000 Franken – wenn diese ein entsprechendes Gesuch stellen.

Bereits im Jahr 2010 entschuldigte sich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bei den Opfern fürsorgerischer Massnahmen. Kantone wie Graubünden, Baselland und Zug haben das Leid der Betroffenen schon vor Jahren anerkannt. Mehrere Projekte zur Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen laufen. (dst)