Seenotretter retten 60 Migranten aus Mittelmeer

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat im Mittelmeer nach eigenen Angaben mehr als 60 Migranten an Bord ihres Rettungsschiffes aufgenommen. Unter den Geretteten seien auch Frauen, ein Kind und ein Baby. Italien verweigerte die Aufnahme.


Noch immer wagen Menschen den gefährlichen Fluchtweg übers Mittelmeer – und müssen gerettet werden. Die Retter der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye seien am Morgen von der Organisation Alarmphone auf den Seenotrettungsfall hingewiesen worden und hätten daraufhin ein manövrierunfähiges Schlauchboot gefunden. Insgesamt 60 Migranten konnten gerettet werden – darunter auch Frauen, ein Kind und ein Baby.

Die Rettungsleitstellen in Italien und Malta hätten zuvor beim Angebot von Sea-Eye, nach den Vermissten zu suchen, auf die Zuständigkeit der libyschen Küstenwache verwiesen. Diese sei aber nicht zu erreichen gewesen, erklärte die Organisation. Nun warte die «Alan Kurdi», die unter deutscher Flagge fährt, auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Das deutsche Auswärtige Amt sei eingeschaltet worden.

Salvini erteilt Absage

Der italienische Innenminister Matteo Salvini liess die Seenotretter umgehend abblitzen. «Ein Schiff mit deutscher Flagge, deutsches NGO, deutscher Reeder und Kapitän aus Hamburg … Sie haben in libyschen Gewässern eingegriffen und fordern einen sicheren Hafen. Gut, dann soll sie nach Hamburg fahren», erklärte Salvini.

Italien hatte wie Malta NGOs in den vergangenen Monaten immer wieder das Anlegen ihrer Schiffe mit geretteten Migranten verwehrt. Teilweise wurden sie tagelang im Mittelmeer blockiert, bis eine Verteillösung mit anderen europäischen Staaten für die Geretteten gefunden wurde. Auf einen langfristigen Mechanismus dafür konnten sich die EU-Staaten bislang nicht einigen.

Bereits 311 Menschen gestorben

Die Sea-Eye hatte unweit der libyschen Küste zuvor nach 50 Menschen gesucht, die seit Montagnacht vermisst werden. Nach Angaben des Sprechers der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, gab es weder von ihnen noch von 41 Migranten, die am 23. März aus Libyen abgefahren seien, ein Lebenszeichen.

Die «Alan Kurdi» ist derzeit das einzige zivile Hilfsschiff im Mittelmeer. In diesem Jahr starben nach Angaben der IOM bereits 311 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer nach Europa zu überqueren. (sda/bat)