Das Mittelmeer ist die tödlichste Route für Flüchtlinge

Schon mehr als 1'500 Flüchtlinge sind seit Jahresbeginn im Mittelmeer ertrunken. Die Seenotrettung müsse oberstes Prinzip bleiben, fordern die Vereinten Nationen.


Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen im Mittelmeer sind dort in diesem Jahr gemäss den Vereinten Nationen schon mehr als 1’500 Menschen ertrunken. Mehr als 850 von ihnen seien allein im Juni und Juli ums Leben gekommen, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf. Das Mittelmeer sei damit die tödlichste Seeroute weltweit. Der Sprecher der UNHCR-Vertretung Deutschland, Martin Rentsch, rief Europa zur Aufrechterhaltung der Seenotrettung auf.

Gemeinsam gegen Schleuser

Der Anstieg der Todesfälle sei besonders besorgniserregend, da zugleich immer weniger Menschen über das Mittelmeer nach Europa kämen, erklärte das Flüchtlingshilfswerk am 3. August. Bis Ende Juli waren es rund 60’000 und damit etwa halb so viele wie im Vorjahreszeitraum. Dennoch kam im Juni und Juli einer von 31 Mittelmeerflüchtlingen ums Leben oder wurde vermisst, im Vergleich zu einem von 49 im vergangenen Jahr.

Der UNHCR-Sondergesandte für das Mittelmeer, Vincent Cochetel, rief alle Staaten entlang der Transitrouten zur Zerschlagung von Schleusernetzwerken auf. Ohne einen gemeinschaftlichen Ansatz aller beteiligten Staaten werde die Tragödie im Mittelmeer weitergehen, warnte er.

Verantwortung übernehmen

UNHCR-Sprecher Rentsch betonte, Europa sei in der Pflicht, Verantwortung für die Flüchtlinge und Migranten auf See zu übernehmen. Diese dürfe nicht allein Nordafrika zugeschoben werden, sagte er im Deutschlandfunk. «Man muss die Schutzsysteme in Nordafrika stärken, die Seenotrettung muss ein oberstes Prinzip bleiben.»

Als wichtigstes Ankunftsland der Flüchtlinge hat Spanien inzwischen Italien abgelöst. Laut UNHCR trafen dort in diesem Jahr auf dem Seeweg mehr als 23’500 Menschen ein, im Vergleich zu etwa 18’500 in Italien und 16’000 in Griechenland. Flüchtlinge aus Syrien machen mit einem Anteil von etwa 13,5 Prozent die grösste Gruppe aus. (epd/pd)