Corona-Pandemie

Reformierte Kirchen setzen bei Teststrategie auf Eigenverantwortung

Der Bund will, dass sich mehr Menschen regelmässig auf das Coronavirus testen lassen. Auch in der reformierten Kirche sind Tests gerade bei Pfarrpersonen beliebt. Doch eine einheitliche Strategie fehlt.

So sieht der Selbsttest der Firma Roche aus, den jeder und jede in der Apotheke gratis beziehen kann. (Bild: Keystone / Christian Beutler)

Jeden Donnerstagnachmittag trifft sich Monika Hänggi, Sozialdiakonin im Kirchenkreis 6 der Kirchgemeinde Stadt Zürich, mit Arbeitskolleginnen und -kollegen vor der Rigi Apotheke. Dort lässt sie sich mit einem Schnelltest auf das Coronavirus testen. Das Resultat bekommt sie rund 20 Minuten später auf ihrem Smartphone mitgeteilt. «Ich fühle mich einfach besser, wenn ich weiss, dass ich definitiv negativ bin», sagt Hänggi.

Gerade als Sozialdiakonin treffe sie viele unterschiedliche Menschen – darunter auch Risikopersonen in Altersheimen. «Natürlich sind viele geimpft und ich halte die Schutzkonzepte ein. Doch der Test gibt nochmals eine zusätzliche Sicherheit.»

Auch der Zürcher Pfarrer Matthias Reuter nutzt die Möglichkeit, sich einmal die Woche in der Apotheke testen zu lassen. Die Kosten dafür übernimmt der Bund. Reuter schätzt «das schöne Gefühl zu wissen, dass man zumindest am Tag des Tests nicht ansteckend ist.» Aber eben nur an diesem Tag. «Diese Information ist entscheidend. Ein Test ist immer nur eine Momentaufnahme. Deshalb braucht es eine gewisse Regelmässigkeit.»

Keine Fans von Selbsttests

Fünf Tests gratis für Zuhause

Seit dem 15. März übernimmt der Bund alle Kosten für Schnelltests, die in einem Testzentrum, bei einer Ärztin oder einem Arzt, in Spitälern oder Apotheken durchgeführt werden. Somit können sich alle auch gratis testen lassen, wenn keine Symptome des Coronavirus vorhanden sind. Zudem können seit dem 7. April in Apotheken innerhalb von 30 Tagen jeweils fünf Selbsttests kostenlos bezogen werden. Die Apotheke rechnet direkt über die Krankenkasse ab.

Die Selbsttests sind allerdings weniger zuverlässig als die anderen Tests. So schreibt der Bund, dass der Einsatz eines Selbsttests vor einer Begegnung sinnvoll ist, die ohnehin stattfindet. Er soll unmittelbar vor dieser Begegnung durchgeführt werden. Der Selbsttest sei kein Ersatz für die Hygiene- und Verhaltensregeln und für bestehende Schutzkonzepte.

Neben dem Testen zu Hause haben Institutionen und Firmen zudem die Möglichkeit, sich am «Together we test»-Programm anzumelden. (bat)

Sowohl Reuter als auch Hänggi könnten sich zu Hause selber testen. Insgesamt fünf Selbsttests stellt der Bund seit dem 7. April allen Einwohnern zur Verfügung. Doch beim Pfarrer und der Sozialdiakonin kommen diese nur selten zum Einsatz. Beide verlassen sich lieber auf den Test in der Apotheke. «Die Selbsttests sind mir einfach zu wenig sicher. Nach allem, was ich gelesen habe, erkennen sie asymptomatische Infizierte nicht so gut», sagt Hänggi. Reuter findet es sowohl praktischer als auch sicherer, wenn eine Fachperson in der Apotheke das Prozedere durchführt. «Beim Selbsttest kann man Fehler machen», sagt er.

Bis vor kurzem wurden die Tests von Reuter und Hänggi im Auftrag der Kirchgemeinde Zürich durchgeführt (ref.ch berichtete). «Seitdem aber der Bund die Kosten für Tests von Privatpersonen übernimmt, unterstützt die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich dieses Programm nicht mehr. Deshalb kann es bei uns nicht mehr stattfinden», sagt Kirchenpflegepräsidentin Annelies Hegnauer. Stattdessen könnten Firmen am sogenannten «Together we test»-Programm teilnehmen, bei dem jedem Mitarbeiter ein Spucktest ausgehändigt wird. «Da wir aber alle im Homeoffice sind, kommt das für uns nicht infrage. Die Leute müssten die Proben im Büro abgeben. Das wollen wir nicht, weil wir damit unnötigen Traffic generieren würden», sagt Hegnauer.

Mit dem Testen der Mitarbeitenden habe die Kirchgemeinde «sehr gute Erfahrungen» gemacht, wie Hegnauer sagt. Von den 70 Pfarrpersonen hätten sich zum Beispiel rund die Hälfte jede Woche testen lassen. Eine Person habe ein positives Ergebnis erhalten. «Somit hat sich der Aufwand gelohnt.»

«Mit den Selbsttests lassen sich wohl viel mehr Leute testen. Auf der anderen Seite haben wir so keine Kontrolle mehr.»
Annelies Hegnauer, Präsidentin der Zürcher Kirchenpflege

Dass nun jeder für sich selber testen geht und nicht mehr die Kirchgemeinde beziehungsweise der Bund das Zepter in der Hand hält, hat in den Augen von Hegnauer Vor- und Nachteile. «Damit lassen sich wohl viel mehr Leute testen. Auf der anderen Seite werden uns die Testergebnisse nicht mehr mitgeteilt. Wir haben also keine Kontrolle mehr.» Trotzdem verlässt sich Hegnauer darauf, dass die betroffenen Mitarbeiter positive Ergebnisse mitteilen.

Lieber Spucke als Nasenschleim

Im Gegensatz zu Zürich nimmt die Winterthurer Kirchgemeinde Veltheim am «Together we test»-Programm teil. So spucken jede Woche die Angestellten der Kirchgemeinde in ein Röhrchen. Der Speichel landet dann bei der Jugendarbeiterin Pamela Blöchliger im Büro. «Ich schütte die Speichelproben zusammen in ein einziges Röhrchen und schicke dieses ins Labor. Wird die Probe mit einem PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet, muss sich danach jeder einzeln testen lassen, um herauszufinden, wessen Probe positiv war. «Pooling» nennt sich das Vorgehen. Die Kosten dafür trägt der Kanton Zürich. 

Blöchliger findet es einfacher, sich so zu testen. «Die Methode ist recht sicher und man muss nicht extra in die Apotheke gehen, um sich ein Stäbchen in die Nase stecken zu lassen.»

Mindestens vier Personen sind nötig, damit man am kantonalen Pooling mitmachen kann. In Veltheim würden sich sieben regelmässig testen. Gerade die Sozialdiakone und Katechetinnen hätten viel mit Menschen zu tun. «Da gibt ein Test einfach eine gewisse Sicherheit.» 

Kirchen setzen auf Eigenverantwortung

Ob Selbsttest zu Hause, Schnelltest in der Apotheke oder Pooling in der Gemeinde, den Mitarbeitenden der reformierten Kirchen stehen also verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Was allerdings fehlt: Eine einheitliche Teststrategie. Weder die Landeskirchen Bern-Jura-Solothurn (RefBeJuSo) noch Zürich oder Aargau gaben bis jetzt eine solche heraus.

«Mittlerweile begrüsst mich die Apothekerin wie eine alte Bekannte.»
Monika Hänggi, Sozialdiakonin

So heisst es seitens von RefBeJuSo, dass man in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) und den Behörden die Lage aufmerksam beobachte und Schutzkonzepte laufend den aktuellen Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit sowie der Kantone anpasse. Insofern führten die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn bei ihren Mitarbeitenden zum jetzigen Zeitpunkt keine Corona-Tests durch. Mitarbeitende mit Symptomen seien jedoch verpflichtet, sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben, den Hausarzt zu kontaktieren und sich möglichst schnell testen zu lassen. 

Die Kirchen setzen also beim Testen grossmehrheitlich auf Eigenverantwortung. Eine, die Matthias Reuter und Monika Hänggi gerne wahrnehmen. «Ob nun die Firmen testen oder man selber geht: Hauptsache es wird getestet, getestet, getestet», sagt Reuter. «Mittlerweile begrüsst mich die Apothekerin wie eine alte Bekannte. Das Testen ist zu einem festen Bestandteil meiner Woche geworden», ergänzt Hänggi. Sie hoffe, dass viele in der Kirche ihrem Beispiel folgen.