Luzerner Reformierte fühlen ihren Mitgliedern auf den Zahn
Im Jahr 2022 hat die Reformierte Kirche Luzern rund 1000 Kirchenaustritte verzeichnen müssen. Sie liegt damit im schweizerischen Trend. Um diesem entgegenzuwirken, hat die Luzerner Kirche ihre Mitglieder im Februar zu einem gross angelegten digitalen Dialog eingeladen. In der Grossgruppenkonferenz wollte sie von ihren Mitgliedern wissen, warum sie Teil der Kirche sind, was die Kirche tun muss, damit sie Mitglied bleiben und was Gründe für einen Austritt waren. Rund 200 Teilnehmende aus Kirche, Politik, Kultur, Wirtschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen, Sport, Bildung sowie weiteren Konfessionen und Glaubensrichtungen nahmen teil. Nun liegen erstmals Ergebnisse vor.
«Viele sind Mitglied in der Kirche, weil Werte wie Verantwortung und Solidarität als wichtig erachtet werden», schreibt die Luzerner Landeskirche in einer Mitteilung. Die Teilnehmenden hätten Halt, Orientierung, Spiritualität sowie ein Ort für Lebens- und Sinnfragen als für sie wichtige Gründe für eine Mitgliedschaft angegeben.
Mehrheit wollen nicht in den Gottesdienst
Die Grossgruppenkonferenz wertet Lilian Bachmann, Luzerner Synodalratspräsidentin, als Erfolg. «Das Kennenlernen, die Diskussionen und die professionelle Methodik im Wechsel von Grossgruppe zu Kleingruppen wurden sehr geschätzt», sagt sie auf Anfrage von ref.ch. Auch im Nachgang würden sie immer noch Rückmeldungen und Impulse rund um das Thema Mitgliedschaft erhalten.
Eine Erkenntnis der Konferenz sei, dass sich das kirchliche Leben sehr auf die Gruppe einer tiefen Prozentzahl von Gotttesdienstbesuchenden sowie Besuchende von regelmässigen Angeboten konzentriere. Die Mehrheit der Mitglieder würden allerdings mit diesen Angeboten nicht angesprochen. Hier brauche es Massnahmen, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und die gesellschaftliche Wirkung der Kirche als Gemeinschaft zugänglich zu machen.
Weiterentwicklung der Seelsorge geplant
Erfreulich sei, dass Kirche noch immer als wichtiger Teil, der die Gesellschaft zusammenhält, anerkannt und geschätzt werde. Weiter geniesse die Seelsorge grosse Akzeptanz, damit werde ein niederschwelliger Zugang sichergestellt.
Nun gehe es darum, die gesammelten Feedbacks in eine konkrete Strategie umzusetzen. «Bei der Seelsorge als Kernaufgabe überprüfen und entwickeln wir die Angebote weiter. Hier haben wir Potenzial», sagt Bachmann. Weiter gebe die Konferenz Ansätze mit, wie die Mitgliedschaft digital positioniert werden könne. Insbesondere wolle man Massnahmen im Bereich der Sozialen Netzwerke umsetzen und unterschiedliche Weiterbildungen für Kirchgemeinden und Teilkirchgemeinden anbieten. (bat)