Nach Abstimmung

KVI-Initianten machen weiter

Die Konzernverantwortungs­initiative (KVI) scheiterte zwar am Ständemehr. Der Trägerverein der Vorlage will nun aber weiter für das Thema kämpfen. Kirchliche Vertreter unterstützen das Vorhaben.

Mit 50,7% sagte eine knappe Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Ja zur KVI. Doch weil sie das Ständemehr nicht erreichte, scheiterte die Vorlage. Sie hätte Schweizer Unternehmen zu besserem Schutz der Menschenrechte und der Umwelt auch im Ausland verpflichten sollen.

Nun hat der Trägerverein der KVI angekündigt, dass er weiterkämpfen wolle, wie der «Tages-Anzeiger» am 26. April berichtete. Deshalb wurde ein Crowdfunding initiiert, das weiteres Engagement ermöglichen soll. So soll etwa der Gegenvorschlag zur Initiative genau geprüft werden, die Vernehmlassung dazu läuft noch bis Mitte Juli. Zudem will man das weitere Vorgehen der EU beobachten. Denn die EU-Kommission will im Sommer neue Richtlinien zur Konzernverantwortung vorstellen. Damit könnte man dann auch in der Schweiz Druck aufbauen, so die Hoffnung des Trägervereins.

«Abstimmung war wichtige Etappe»

Unterstützt wird die Weiterführung des Engagements auch von kirchlichen Vertretern. So hat sich Brot für alle (Bfa) an der Generalversammlung entschieden, am Thema dranzubleiben, sagt Chantal Peyer, zuständig für Ethisches Wirtschaften bei Bfa und Vorstandsmitglied des Trägervereins der KVI. Man akzeptiere die Niederlage an der Urne zwar. Aber schliesslich habe die Hälfte der Bevölkerung die Vorlage befürwortet. «Das ist ein langfristiges Thema. Die Abstimmung war eine wichtige Etappe und hat uns gezeigt, dass wir in diese Richtung weitergehen müssen.»

Allerdings betont Peyer, dass die Kampagne «Kirche für Konzernverantwortung» nicht weitergeführt werde. Dieses politische Engagement von Kirchenvertretern und Kirchgemeinden hatte zu vielen Diskussionen und auch Kritik geführt. Bfa hingegen gehörte zur Koalition, die die Initiative überhaupt lanciert hatte. «Wirtschaft und Menschenrechte sind unsere Kernthemen» führt Chantal Peyer aus. «Auch deshalb ist es für uns klar, dass wir weitermachen.»

«Das Anliegen bleibt dringend»

Doch nicht nur Hilfswerke bleiben am Ball. Auch Res Peter, Pfarrer in Baden, unterstützt die Idee weiterhin. Er hatte sich stark im Abstimmungskampf für die KVI engagiert. «Viele hatten gesagt, die Initiative gehe in die richtige Richtung, aber auf dem falschen Weg. Jetzt wählt man halt einen gescheiteren Weg in die richtige Richtung.» Man müsse die Form des Engagements etwas anpassen, glaubt Peter.

Eine grosse kirchliche Kampagne wie bei der Abstimmung zur KVI werde es zwar kaum geben. Aber die Vorlage habe viele Menschen innerhalb der Kirche motiviert. «Das wird weitertragen», ist Peter überzeugt. Denn das Anliegen bleibe dringend, das Engagement sei weiter nötig. (mos)