Konzerninitiative

Knappes Volks-Ja gründete auf Fairplay und Ethik

Die Konzernverantwortungsinitiative ist im November zwar am Ständemehr gescheitert, hat jedoch das Volksmehr erreicht. Dies gelang dank Unterstützung aus der politischen Mitte, von Jüngeren und von Frauen. Katholiken und Reformierte lehnten sie mehrheitlich ab.

Die Konzernverantwortungsinitiative ist seit 1955 erst die zweite Volksinitiative, die trotz Volksmehr am Ständemehr scheiterte. Das Schweizer Stimmvolk stimmte ab 29. November 2020 darüber ab. Das Volksmehr erreichte sie laut Vox-Analyse, indem sie neben einem grossen Teil der Linken auch die Hälfte der politischen Mitte, die Mehrheit der Frauen und die Mehrheit der unter 50-Jährigen überzeugte. Fairplay und Ethik waren dabei die wichtigsten Stichworte.

Mehr als ein Viertel der CVP und knapp zwei Drittel der GLP genügten, dank sehr starker Unterstützung der Anhängerschaften der SP und der Grünen, für ein Volks-Ja. In den letztlich siegreichen Kantonen dominierten allerdings die Mitte-Rechts-Kräfte. Denn die SVP-Anhängerschaft (85 Prozent) und die FDP-Anhängerschaft (81 Prozent) verwarfen die Initiative wuchtig. Zudem waren politische Bindungen wirksamer als religiöse: Reformierte und Katholiken verwarfen die Initiative mehrheitlich, Konfessionslose stimmten ihr mehrheitlich zu.

Dies belegen die am Donnerstag veröffentlichten Resultate der Befragung von 3054 Stimmberechtigten der Vox-Analyse. Die Studie wurde von gfs.bern durchgeführt und von der Bundeskanzlei finanziert.

Links unterlag Rechts

Bei der ebenfalls gescheiterten Kriegsgeschäfte-Initiative kamen die 42,6 Prozent Ja-Stimmen des Stimmvolkes vor allem von links. Sympathisierende der Grünen sowie der SP, die stark mobilisiert werden konnten, legten mit einer grossen Mehrheit ein Ja ein. Mitte- und Rechts-Sympathisierende stimmten hingegen sehr häufig Nein und gaben damit den Ausschlag. Als Gründe für ein Nein wurden meist wirtschaftliche Bedenken geäussert.

Einzig GLP-Sympathisierende waren gespalten: Sie warfen zu 50 Prozent ein Ja ein. Ähnliches zeigt sich bei den Ja-Stimmenden hinsichtlich ihres Vertrauens in die Gruppe Schweiz ohne Armee (Gsoa) und in die Schweizerische Nationalbank (SNB): Je eher jemand der Gsoa vertraut respektive je weniger jemand der SNB vertraut, desto eher stimmte er oder sie für die Kriegsgeschäfte-Initiative. (sda/mos)