Corona-Pandemie

Kirchen verzichten auf Fasnachts­gottesdienste

Wegen der Corona-Pandemie fallen in diesem Jahr die traditionellen Fasnachtsgottesdienste ins Wasser. Manche Kirchen versuchen mit kreativen Lösungen trotzdem noch fasnächtliche Stimmung zu verbreiten.

In vielen reformierte Kirchgemeinden wären in den kommenden Tagen statt Orgelklänge Trompeten und Pfeiffer zu hören gewesen. Mittlerweile gehört es auch zur reformierten Tradition, Fasnachtsgottesdienste zu feiern. Doch wegen der Corona-Pandemie verzichten die Kirchen darauf oder müssen sich andere kreative Lösung überlegen.

Organist spielte Fasnachtsmarsch

«Wir schauen seit 2008 auf eine schöne Reihe von Fasnachts-Gottesdiensten in Liestal zurück. Leider mussten wir uns dieses Jahr zu einer Absage durchringen», sagt etwa Andreas Stooss, Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg im Kanton Basel-Landschaft. Einerseits weil es konsequent sei, da auch die Fasnacht selbst abgesagt wurde. «Andererseits aber auch, weil wir nicht mehr Leute ‹anlocken› wollten in Zeiten, wo wir sehr froh sein dürfen, überhaupt noch mit 50 Personen Gottesdienst feiern zu können.» Immerhin habe der Organist letzten Sonntag als Ausgangsstück den Fasnachts-Marsch «Ohremiggeli», den er auch schon zusammen mit Piccolos gespielt hat, zum Besten gegeben.

 

In Basel-Stadt wurde die Offene Kirche Elisabethen in der Vergangenheit ein beliebter Treffpunkt für Fasnachtsbegeisterte. Doch auch hier findet der übliche Fasnachtsgottesdienst mit bis zu 600 Besucherinnen nicht statt. Trotzdem könne man ein bisschen «Fasnachtsluft schnuppern», wie Seelsorgerin Monika Hungerbühler sagt. So gäbe es eine Fasnachtsinstallation mit verschiedenen Kostümen und Larven zu bestaunen, in der Kirche läuft Fasnachtsmusik und während den Fasnachtstagen kämen Schnitzelbänkler, Trommler und Pfyffer in die Kirche.

Ausserdem könne man in den sogenannten«Räppli-Sääge» empfangen. Zum einen könne sie verstehen, dass wegen der Pandemie keine grossen Fasnachtsanlässe stattfinden können, sagt Hungerbühler. Auf der anderen Seite finde sie es bedauerlich, dass die Kultur bei den Massnahmen so stark eingeschränkt werde und offenbar als nicht so wichtig gelte. «Dass zum Beispiel Museen und Theater schliessen müssen, kann ich nicht verstehen. Für mich braucht der Mensch Kultur genauso wie Essen und Trinken.»

Pfarrerin im Fastnachtskostüm

Auch in der Reformierten Region Rheinfelden im Kanton Aargau hätte heuer ein Fasnachtsgottesdienst stattfinden sollen – bereits zum 18. Mal. Doch auch hier musste das Fest abgesagt werden. Stattdessen entschied sich die Kirchgemeinde, ein fasnächtliches Video aufzunehmen, das bis Aschermittwoch abrufbar sein wird. Im Video gibt der Plüschaffe «Theobald, em Pfaff sin Aff» seine Weisheiten zum Besten. «Die Fasnacht ist hier in der Region ein grosses Spektakel. Und der Fasnachtsgottesdienst sei ein integraler Bestandteil und habe einen gewissen Status bei den Menschen», sagt Pfarrer Andreas Fischer. Mit der Fasnacht erreiche man auch Menschen über die «Kirchenränder hinaus.»

Grosse Tradition hat die Fasnacht insbesondere auch in der Zentralschweiz. Doch selbst hier müssen die Guuggenmusigen draussen bleiben. Trotzdem versucht Susanne Klöti, Pfarrerin der Reformierte Kirche Littau-Reussbühl im Kanton Luzern, fasnächtliche Stimmung in die Kirche zu holen. «Ich werfe mich als Pfarrperson einfach in ein Fasnachtskostüm, arbeite mit Tanz, Posaune und Jubel-Bibeltexten», sagt sie. Ausserdem werde die Kanzel fasnächtlich dekoriert. Die Kritik, dass Reformierte nichts mit Fasnacht zu tun hätten, lässt Klöti übrigens nicht gelten. «Es geht mir darum zu zeigen, dass Gott in der Bibel durchaus sehr oft mit Posaune, Trommel und Tanz, eben mit Festen begegnet wird», sagt Klöti. (bat)