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Manege frei! In diese Kirche zieht der Zirkus ein

Eine reformierte Kirche in Zürich-Wollishofen bekommt einen neuen Mieter: Nach zwei langjährigen Kunstprojekten übernimmt nun ein Kinderzirkus die Immobilie, welche die Kirchgemeinde nicht mehr benötigt.
So könnte es dereinst aussehen, wenn der Kinderzirkus in der Kirche übt. Der Zirkusverein prüft, welche baulichen Massnahmen sinnvoll wären und will diese in Absprache mit der reformierten Kirche Stadt Zürich umsetzen. (Illustration: zVg)

Der Kinderzirkus Robinson ist eine Instanz in der Stadt Zürich. Seit mehr als 65 Jahren lernen Kindergarten- und Schulkinder dort Fässlilaufen, Jonglieren oder den Handstand. Im vergangenen Jahr haben rund 2000 Kinder an den Kursen des Zirkus teilgenommen.

Bald bezieht der Zirkus ein zweites grösseres Lokal: Sein neues Quartier wird die reformierte Kirche Auf der Egg im Quartier Wollishofen am Seeufer sein. Das hat der Zürcher Kirchenrat beschlossen. Der Zirkus wird nach den aktuellen Plänen die Kirche längerfristig mieten, deshalb spricht der Kirchenrat auch von einer Umnutzung der Immobilie.

Zu viele Kirchengebäude in Zürich

Seit 2012 wird die Kirche nicht mehr ausschliesslich für Gottesdienste genutzt. Diesen Entscheid hatte die Kirchgemeinde Wollishofen noch vor der Fusion der Stadtzürcher Kirchgemeinden aus finanziellen Gründen getroffen.

Seit in der Stadt zehn Kirchenkreise an die Stelle von 32 Kirchgemeinden getreten sind, gibt es sowieso zu viele Kirchengebäude. Die Standortplanung der Kirchgemeinde von 2025 hält fest, dass Liegenschaften, die nicht mehr kirchlich genutzt werden, stärker für andere Nutzer geöffnet werden.

Für die Kirche in Wollishofen gilt das schon lange. Von 2015 bis 2018 war sie das Domizil des Projekts «Kunst-Klang-Kirche». Dieses musste jedoch «wegen mangelnder finanzieller Ressourcen» schliessen, wie der Kirchenrat schreibt.

Die Zürcher Kirche Auf der Egg in Wollishofen wird seit etlichen Jahren für kulturelle Events genutzt. Beispielsweise für eine immersive Video-Show. Ab Januar wird hier ein Kinderzirkus Kurse veranstalten. (Bild: zVg/ Archiv)

Darauf folgte als Mieter das Künstlerkollektiv Projektil, das den Innenraum der Kirche von 2023 bis 2025 mit spektakulären Lichtshows bespielte. Doch auch dieses Projekt scheiterte letztlich. «Diese Nutzung konnte mangels eines genügenden Publikumsinteresses nicht weitergeführt werden», heisst es in den Unterlagen.

Gute Trainingsbedingungen für Kinderzirkus

Nun also der Kinderzirkus. Dessen Geschäftsführer Stefano Mengarelli erklärt auf Anfrage, mit der Kirche als Trainingsort könne der Verein sein Angebot weiterentwickeln, mehr Kinder erreichen und dank des hohen Innenraums die Luftartistik besonders gut trainieren.

Ob und wie dafür Vorrichtungen in der Kirche eingebaut werden, ist laut Mengarelli noch nicht abschliessend geklärt. Er versichert, dass alle Installationen sorgfältig geplant und in Absprache mit den Vermietern umgesetzt würden.

Die Kirche Auf der Egg ist in ihrer Architektur ungewöhnlich: Der Innenraum ist rund, die Kirchenbänke sind weitgehend herausgeräumt. Für den Kinderzirkus muss das geradezu ideal passen. «Die besondere Architektur und die Atmosphäre eröffnet interessante Möglichkeiten für die Zirkusarbeit», sagt Mengarelli. Die bereits bestehende Plattform in der Mitte des Raums würde der Zirkus gerne zu einer grösseren Fläche ausbauen. Er sagt aber auch, dass die Einflüsse und Vorschläge aus dem Quartier und dem Umfeld des Zirkus letztlich die Ideen für die Gestaltung des Innenraums bringen würden.

«Sinnvolle Weiterentwicklung» der Infrastruktur

Wie kam der Zirkus überhaupt in die Kirche? Die reformierte Kirche Zürich suchte nach einem Nutzer der Immobilie. Dann ergaben sich Gespräche mit dem Zirkusverein. «Wir reichten ein Nutzungskonzept ein und durchliefen ein Auswahlverfahren», erklärt Mengarelli. Kirchenpflege und Kirchenkreiskommission sehen die Nutzung des Gebäudes durch den Kinderzirkus als Chance. Damit könne die Immobilie «sinnvoll weiterentwickelt» werden und gleichzeitig weiterhin für die Bevölkerung des Quartiers zugänglich sein.

Der Mietvertrag beginnt am 1. Januar 2027 und soll nach Ablauf der vorerst vereinbarten vier Jahre auch nach 2031 weitergeführt werden.

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